Home / Mehr / News / Umstrittene Fernsehshow in den Niederlanden

Stellungnahme vor der Sendung

In den Niederlanden wurde eine Fernseh-Show angekĂĽndigt, in welcher 3 nierenkranke Patienten um die Nieren einer todkranken Patientin wetteifern sollen.

Dass Organmangel herrscht, ist leider schon lange eine Tatsache, in Europa und in der Schweiz. Jeden Tag sterben Patienten auf den Wartelisten, ein grosser Verlust, den wir vielleicht mit mehr Solidarität von uns allen verhindern könnten.

Trotzdem rechtfertigt diese Tatsache nicht, Menschen in Not, und das sind Patienten auf der Warteliste, für Einschaltquoten einer Fernsehstation zu missbrauchen. Unsere Kultur ächtet glücklicherweise schon lange Spiele, wo es um Leben und Tod geht. Patienten in einer Fernsehschau vorzuführen und um Organe einer unheilbaren, todkranken Frau spielen zu lassen, scheint uns pietätlos und gegen jeden ethischen Kodex.

Helfen solche Events der Transplantationsmedizin, insbesondere der Spendebereitschaft? Wir glauben nicht, denn bis heute werden Organe in ganz Europa nach Kriterien wie Gerechtigkeit und medizinischem Nutzen verteilt. Patienten, die schon lange warten und Patienten die sehr dringend ein Organ brauchen haben in diesen Regelwerken Vorrang. Zudem gilt auch das weltweit akzeptierte Prinzip der Unentgeltlichkeit sowie der Anonymität der Organspende. Organe können von einem Spender nur akzeptiert werden, wenn sie in Bezug auf immunologische Faktoren, Alter und Grösse mit dem Empfänger kompatibel sind. Es braucht also eine medizinische Evaluation mit einem Vergleich der Spender- und Empfängerdaten, um den passenden "Match", dh eine erfolgreiche Transplantation zu erreichen. Dies ist eine sehr seriöse Angelegenheit, die grosses medizinisches Wissen bedarf. So eine Show erweckt aber den Eindruck, die Transplantationsmedizin sei ein Spiel, was sie auf keinen Fall ist oder sein darf.

Wir hoffen, dass die Vernunft zurückkehrt und diese Show keine Nachahmer findet. Es besteht sonst die Gefahr, dass wenn wir nicht unsere Werte vehement verteidigen, wir diese schnell verlieren und wir riskieren, dass unsere Grundrechte in Notsituationen ausser Kraft gesetzt werden. Wollen wir die Menschen, die ein fremdes Organ benötigen unterstützen, können wir dies tun indem wir eine Spenderkarte auf uns tragen oder unsere Einstellung zur Organspende mit den Angehörigen besprechen.

Swisstransplant
Conrad E. MĂĽller, MD, MBA
Direktor