Brief vom 30. Januar 2014

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Mein lieber Spender, liebe Spenderfamilie

Im Sommer 2013 wurde ich lungentransplantiert – der Anruf kam um 3 Uhr Nachts und bedeutete für mich die Erlösung aus einer langen Zeit des Bangens und Leidens.
Ich erkrankte vor 12 Jahren, plötzlich aus heiterem Himmel, niemand konnte mir einen Grund dafür nennen. Mit der Zeit wurde mein Zustand immer schlechter, so dass ich im letzten Jahr dauernd auf Sauerstoff angewiesen war. Ich konnte nicht mehr aus der Wohnung, konnte es kaum bis zur Toilette schaffen. Es war eine sehr schlimme Zeit und ich war dem Tod sehr nahe. Ich glaubte nicht daran, dass ich noch rechtzeitig das lebensrettende Organ erhalten würde. Darunter litt nicht nur ich sondern auch meine beiden Kinder. Sie sind 14 und 15 Jahre alt.

Und dann dieser Anruf. So lange gewartet und nun plötzlich soll ich gerettet werden. Meine Gefühle waren ganz durcheinander, denn mir war sehr bewusst, dass dieser, mein persönlicher Glücksmoment, gleichzeitig einer anderen Familie tiefe Trauer bringt und den Verlust eines geliebten Menschen. Darüber musste ich weinen und weine ich noch heute oft. Das Schicksal wollte es so, dass ich weiter leben darf und mein Spender und seine Familie haben trotz der grossen Trauer entschieden, dass jemand anderer weiterleben darf. Dafür bin ich auf ewig tief dankbar!

Die Operation verlief sehr gut und ich erholte mich wirklich rasch. Die Ärzte sagten mir, dass ich eine wunderschöne Lunge erhalten hätte. Deine Lunge, mein Spender, sie atmet in mir weiter und vielleicht ist das ein Trost für Deine Familie. Jeden Tag denke ich an Dich und spreche in Gedanken meinen Dank an Dich aus – für mich bist Du mein Schutzengel.

Ich habe ein neues Leben geschenkt bekommen. Ich kann wieder ATMEN!! Kann ohne Hilfe meinen Alltag bewältigen. Die Operation ist noch nicht lange her, darum braucht mein Körper noch Zeit die Muskeln wieder aufzubauen, aber ich bin zuversichtlich, dass mit der Zeit alles wieder normal wird. Früher habe ich Sport getrieben und das möchte ich auch wieder tun. Momentan bin ich einfach nur dankbar darüber, dass ich atmen kann, einen kurzen Spaziergang an der frischen Luft machen kann. Ich bewundere die Blumen am Wegesrand, den See, einfach alles mit neuen Augen.

Meine Kinder sind von einer schweren Last befreit und sind glücklich ihre Mami wieder zurück zu haben. Wir können wieder gemeinsam am Tisch essen, uns umarmen, uns necken und miteinander lachen. Nicht nur ich wurde gerettet, sondern meine ganze Familie.

Um meinem tiefempfundenen Dank Ausdruck zu verleihen gibt es keine Worte. Nichts kann diese Dankbarkeit ausdrücken. Trotzdem hoffe ich, dass dieser Brief einen kleinen Beitrag dazu leistet. Ich danke Dir mein Spender und Schutzengel und ich danke Deiner Familie aus tiefstem Herzen dafür, dass ich Deine Lunge bekommen durfte und ein zweites Leben geschenkt bekommen habe. Ich verspreche Dir, dass ich Deiner Lunge grosse Sorge tragen werde, sie ist mein höchstes Gut! Ich werde alles dafür tun, dass sie lange in mir weiteratmen wird und somit auch ein Teil von Dir weiterlebt!