Allgemeine Fragen und Antworten

  • Was sind Gewebebanken?

    Gewebebanken haben zum Ziel, menschliche Gewebe nach der Entnahme aufzubereiten und zu lagern. Da Gewebe im Gegensatz zu Organen nicht sofort transplantiert werden müssen und auch in der Aufarbeitungs- und Konservierungsphase Sterilisationsverfahren und Quarantänezeiten angewandt werden, wird das Risiko einer Übertragung von Krankheitserregern weitgehend verhindert.

    Wenn die entnommenen Gewebe von den Banken entgegengenommen werden, durchlaufen diese einen langen, von der Europäischen Kommission in Regelungen und Direktiven festgelegten Prozess. Zuerst werden die Identität der spendenden Person und alle von den Koordinatoren erfassten Daten überprüft. Danach wird das Gewebe untersucht, präpariert und entweder in einer Konservierungslösung als frisches Transplantat kühl gelagert (z. B. Augenhornhaut) oder bei Temperaturen von unter - 80°C tiefgefroren (z. B. Herzklappen). Bei Knochen kommen auch Sterilisationsverfahren und die Umwandlung in Knochenersatzpräparate zum Einsatz, die in der Schweiz dem Arzneimittelgesetz unterliegen.

    Da in den meisten Gewebebanken Gewebe vorrätig sind, können die transplantierenden Spitäler und Praxen die Gewebe direkt bestellen. Das erlaubt auch bei lebensrettenden Notfalloperationen, beispielsweise bei der Transplantation von Gefässen oder Herzklappen, die passenden Gewebetypen sofort zur Verfügung zu stellen.

  • Kann ich nach dem Tod meinen Körper spenden?

    Es besteht die Möglichkeit nach dem Tod seinen Körper einem anatomischen Institut zu spenden. Werden beide Möglichkeiten (Organ- und Körperspende) in Betracht gezogen, hat die Organspende Vortritt. Dies ist sinnvoll, da nicht jede verstorbene Person Organe spenden kann. Nach einer Organspende akzeptieren die anatomischen Institute keine Körperspenden.

    Das Anatomische Institut in Ihrer Nähe kann Ihnen weitere Informationen zu diesem Thema geben.

    Bern: 031 631 84 33
    Zürich: 044 635 53 11
    Basel: 061 207 39 21
    Genf: 022 379 52 75
    Lausanne: 021 692 52 50
    Freiburg: 026 300 85 40

  • Was ist eine Knochenmarkspende?

    Blutbildendes Knochenmark kann nur von lebenden Spenderinnen und Spendern entnommen werden. Es kann auch auf eine nicht verwandte Person übertragen werden. Wenn Sie an einer Informationsbroschüre oder weiteren Auskünften interessiert sind, wenden Sie sich bitte an:

    Swiss Blood Stem Cells
    Laupenstrasse 37
    3001 Bern
    Tel. 031 380 81 51
    www.bloodstemcells.ch

  • Welche vorbereitenden medizinischen Massnahmen werden durchgeführt?

    Die künstliche Beatmung wird als vorbereitende oder organerhaltende, medizinische Massnahme bei verstorbenen Spenderinnen und Spendern weitergeführt. Zudem werden Medikamente zur Regulation von Kreislauf und Hormonhaushalt verabreicht sowie Blutentnahmen für Laboruntersuchungen durchgeführt. Gleichzeitig werden die einzelnen Organe beispielsweise mittels Ultraschall oder radiologischen Verfahren auf ihre Funktionalität geprüft.
    Mit Blutentnahmen und Untersuchungen im Hinblick auf eine Organspende wird erst nach dem diagnostizierten Hirntod und Vorliegen der Einwilligung zur Spende begonnen. Lesen Sie mehr zum Thema: «Wie wird der Tod festgestellt?»

  • Können Angehörige erfahren, wer die Organe erhält?

    Nein. Die Spende von Organen erfolgt anonym, um die Familie der spendenden oder empfangenden Person vor zusätzlichen Belastungen zu schützen. Die Organempfangenden  können sich via Swisstransplant oder Transplantationszentren bei den Angehörigen der Spenderin oder des Spenders in einem anonymisierten Dankesbrief bedanken oder ihre Geschichte in anonymisierter Form auf der Plattform «Habdank» veröffentlichen. Auch die Spendefamilien erhalten diese anonymisierten Kontaktmöglichkeiten.

    Zum Bereich «Für Betroffene».

     

  • Was wird am häufigsten gespendet?

    Am häufigsten wird die Niere, gefolgt von Leber, Lunge, Herz, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm gespendet und transplantiert.

  • Haben Angehörige Zeit, von der verstorbenen Person Abschied zu nehmen?

    Die Angehörigen haben nach der Organentnahme Zeit, sich von der verstorbenen Person zu verabschieden. Die Organentnahme verändert das Aussehen der verstorbenen Person nicht, lediglich die Operationsnarbe ist zu sehen. Das Operationsteam oder die Koordinatorin/der Koordinator vor Ort ist für die würdevolle Versorgung des Leichnams zuständig. Nach der Entnahme wird der Leichnam der Familie übergeben. Auf Wunsch wird die verstorbene Person aufgebahrt. Die Bestattung erfolgt nach den Wünschen der verstorbenen Person und deren Angehörigen.

  • Was ist das Mindestalter, um seinen Entscheid zur Organspende verbindlich zu dokumentieren?

    Jede Person ab 16 Jahren kann sich im Nationalen Organspenderegister eintragen oder eine Organspende-Karte ausfüllen. Stellt sich beim Todesfall im Spital die Frage nach einer Organspende, entscheiden die gesetzlichen Vertreterinnen und Vertreter des betroffenen Kinds. 

  • Wie lange warten Patientinnen und Patienten auf ein Organ?

    Die Wartezeit variiert je nach benötigtem Organ, Gesundheitszustand und der Dringlichkeit der wartenden Person. Sie liegt zwischen wenigen Tagen und mehreren Jahren. Der Gesetzgeber ist bestrebt, die zur Verfügung stehenden Organe so gerecht wie möglich zu verteilen. Die durchschnittlichen Wartezeiten können Sie unserem Jahresbericht entnehmen.

  • Wie stehen die Religionen zur Organspenden?

    Alle grossen Weltreligionen sprechen sich eindeutig für die Organspende aus. Dies oft im Sinn der Nächstenliebe und der Mitmenschlichkeit. Insbesondere der Katholizismus, der Protestantismus, der Islam, das Judentum, die orthodoxen Kirchen, der Hinduismus und auch der Buddhismus stehen der Organspende positiv gegenüber.

    Einen Bericht über die Sicht der verschiedenen Weltreligionen zur Organspende finden Sie in unserem Magazin von März 2014.

    Swisstransplant sprach mit Imam Ibram Youssef und Rabbi François Garaï über die Haltung der beiden Weltreligionen Islam und Judentum zur Organspende. Sehen und hören Sie dazu eindrückliche und überraschende Statements in Ton und Bild:

  • Was sind Immunsuppressiva?

    Immunsuppressiva sind Medikamente, die die Funktionen des Immunsystems herabsetzen, um die Abstossungsreaktion nach einer Organtransplantation zu vermeiden. Diese Medikamente bedeuten potenzielle Nebenwirkungen und Risiken. Es kann zu einer grundsätzlichen Einschränkung der Abwehrmechanismen kommen, was die Infektionsanfälligkeit steigern kann. Transplantierte Menschen müssen lebenslang Immunsuppressiva einnehmen.

  • Kennen sich die spendende und die empfangende Person?

    Spendende und empfangende Person bleiben in der Schweiz anonym. Damit sollen sowohl die Familie der spendenden Person als auch die Empfängerin oder der Empfänger vor zusätzlicher Belastung geschützt werden. Die Empfängerinnen und Empfänger können sich jedoch via Swisstransplant bei den Angehörigen der Spenderin oder des Spenders in einem anonymisierten Dankesbrief bedanken oder ihre Geschichte in anonymisierter Form unter «Habdank» veröffentlichen. Auch die Spendefamilie erhalten diese anonymisierten Kontaktmöglichkeiten.