Fragen und Antworten zu den rechtlichen Grundlagen

  • Was sind die Voraussetzungen für eine Organentnahme?

    Eine Organspende ist nur dann möglich, wenn der Tod der Spenderin oder des Spenders festgestellt worden ist. Ein Mensch ist tot, wenn entweder der Hirntod (vollständiger und irreversibler Funktionsausfall des Hirns) oder ein irreversibler Herz-Kreislauf-Stillstand (Donor after circulatory death, DCD) eingetreten ist. Zudem muss die Einwilligung zur Organspende vorhanden sein. In jedem Fall findet ein Angehörigengespräch statt. Hier lesen Sie noch mehr über Voraussetzungen zur Organentnahme.

  • Wer muss nach meinem Tod zur Organspende einwilligen?

    Seit dem 1. Juli 2007 gilt gesamtschweizerisch die «erweiterte Zustimmungslösung». Voraussetzung für die Entnahme von Organen ist demnach das Vorliegen der Zustimmung der spendenden Person oder – wenn diese keinen Willen geäussert hat – der nächsten Angehörigen. In jedem Fall findet ein Angehörigengespräch statt.

    Am 15. Mai 2022 wurde die Abstimmung zum neuen Transplantationsgesetz angenommen, was einen Wechsel zum Modell der «erweiterten Widerspruchslösung» bedeutet. Das neue Gesetz tritt frühstens 2024 in Kraft. Konkret bedeutet der Wechsel, wer nach seinem Tod keine Organe spenden möchte, soll dies neu festhalten. Angehörigengespräche finden aber nach wie vor statt. Liegt keine Erklärung der verstorbenen Person vor und sind die Angehörigen nicht erreichbar, wird von einer Organspende abgesehen.
    Mit dem neuen Gesetz will man die Spenderate in der Schweiz erhöhen und die Voraussetzungen schaffen, dass Betroffene weniger lang auf eine Transplantation warten müssen.

    Informationen zur Zustimmungs- und Widerspruchslösung finden Sie hier.

  • Was bedeutet die «erweiterte Widerspruchslösung»?

    Bei der erweiterten Widerspruchslösung können die Angehörigen einer Organentnahme widersprechen, falls sie Kenntnis davon haben, dass die verstorbene Person ihre Organe nicht hätte spenden wollen. Liegt kein Entscheid vor, so wird davon ausgegangen, dass die verstorbene Person mit der Organspende einverstanden wäre. In den meisten Ländern Europas gilt die Widerspruchslösung. Sie entlastet die Angehörigen und gibt ihnen zugleich das maximale Mitspracherecht.
    Diese Lösung gilt in der Schweiz voraussichtlich ab 2024 bis dahin greift weiterhin das aktuelle Modell der «erweiterten Zustimmung».

  • Was bedeutet die «explizite Zustimmung»?

    Ohne dokumentierte Zustimmung ist keine Organ- und Gewebespende möglich. Die «explizite Zustimmung» ist das aktuell gültige System in der Schweiz mit erweiterter Lösung: Die Zustimmung erfolgt mittels Eintrag im Nationalen Organspenderegister, mittels einer Organspende-Karte, einer Patientenverfügung oder der Zustimmung durch die Angehörigen im mutmasslichen Sinn der verstorbenen Person. Dieses stellvertretende Mitspracherecht der Angehörigen wird als «erweiterte Lösung» bezeichnet. In jedem Fall findet ein Angehörigengespräch statt. Der Eintrag im Nationalen Organspenderegister ist freiwillig.

  • Führt die «erweiterte Widerspruchslösung» zu mehr Organspenden?

    Ja, man geht davon aus, dass sich die Spendezahlen massgeblich erhöhen. Mehr zum europäischen Vergleich finden Sie hier.