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Erweiterte Widerspruchslösung schafft Sicherheit, Klarheit und Entlastung

Swisstransplant unterstützt die Volksinitiative «Organspende fördern – Leben retten». Sie will in der Schweizer Organspende einen Systemwechsel von der derzeit gültigen Lösung der erweiterten expliziten Zustimmung zur Widerspruchslösung. Der Bundesrat hat in seinem parlamentarischen Gegenvorschlag eine erweiterte Widerspruchslösung vorgeschlagen, mit welcher Swisstransplant weitgehend einverstanden ist. In diesem Zusammenhang bedeutet «erweitert»: Es werden, wie bei der erweiterten Zustimmung, in jedem Fall die Angehörigen befragt.  

Doch was ist der Unterschied zwischen der Zustimmungs- und der Widerspruchslösung? Die «Grundeinstellung» ist bei der Zustimmungslösung so, dass grundsätzlich von einer Ablehnung ausgegangen wird. Nur wenn man den Aufwand auf sich nimmt, seinen Willen zu Lebzeiten zu äussern, wird von einer Zustimmung ausgegangen. Liegt hingegen keine Willensäusserung vor, so müssen die Angehörigen zusammen mit dem Spitalpersonal den mutmasslichen Willen des Verstorbenen ergründen. Das ist ein schwieriger und belastender Prozess, der im Ergebnis nicht immer sicherstellt, dass man dem Willen des Verstorbenen auch tatsächlich gerecht wird.

So lehnen in der Schweiz über 60 Prozent der Angehörigen eine Organspende ab. Vor allem der Umstand, dass der Entscheid der verstorbenen Person nicht bekannt ist und somit die nächsten Angehörigen stellvertretend im Sinne der verstorbenen Person entscheiden müssen, führt zu dieser im europäischen Vergleich sehr hohen Ablehnungsrate. Dies obwohl gemäss einer repräsentativen Umfrage 75 Prozent der Schweizer Bevölkerung der Organspende positiv gegenübersteht.  

Die Widerspruchslösung dreht die Logik deshalb um: Die Minderheit, die gegen die Organspende ist, muss den Aufwand auf sich nehmen, dies in einem Register einzutragen. Die Volksinitiative «Organspende fördern – Leben retten» will dem Willen der Mehrheit so gerecht werden. Ein solcher Systemwechsel wäre ein weiterer Fortschritt bei der stetigen Verbesserung des Organspendewesens, die Swisstransplant seit Jahren vorantreibt – mit Aufklärungsarbeit, durch eine Optimierung der Prozesse und eine Verbesserung der Betreuung und Kommunikation bei den Angehörigengesprächen.  

Schlussendlich geht es Swisstransplant bei einem Systemwechsel darum, dass sich die Schweizer Bevölkerung durch regelmässige Information mit dem Thema auseinandersetzt, einen Entscheid trifft und diesen in einem nationalen Register festhält. Somit würden unter anderem die Angehörigen entlastet. Vor diesem Hintergrund unterstützt Swisstransplant die erweiterte Widerspruchslösung. Für die medizinische Praxis des Organspendewesens ändert sich am Prinzip des Einbezugs der Angehörigen allerdings nichts: Das Gespräch wird weiterhin geführt und bleibt ein wichtiger Bestandteil in der Betreuung der Hinterbliebenen. Das zeigen auch die Interviews mit unseren fünf Netzwerkleitern CNDO/Swisstransplant, die als Fachexpertinnen und -experten diese Diskussionen auf den Intensivstationen führen. Die Abläufe werden dieselben bleiben, und es werden in keinem Fall automatisch Organe entnommen. Was sich bei der erweiterten Widerspruchslösung zum Besseren ändert ist, dass die Belastung für die Angehörigen im Falle einer fehlenden Willensäusserung kleiner wird. Dies, weil von einem grundsätzlichen Einverständnis ausgegangen wird. Das kann zu mehr Organspenden führen, was Swisstransplant begrüssen würde. Das primäre Ziel für Swisstransplant bei einem Systemwechsel ist es aber, dank einem Entscheid zu Lebzeiten Sicherheit, Klarheit und Entlastung in der Organspende zu erlangen.

Ein Engagement für die Patienten auf der Warteliste

Swisstransplant unterstützt die Initiative «Organspende fördern – Leben retten» der Jeune Chambre Internationale (JCI) Riviera. Weshalb, zeigt untenstehende Grafik eindrücklich: 2019 sind 46 Patienten auf der Warteliste verstorben, weil für sie kein passendes Organ zur Verfügung stand. Und dies, obwohl die Mehrheit der Schweizer die Organspende befürwortet. Was das in der Praxis bedeutet, zeigen unsere Porträts von Betroffenen.

Meilensteile auf dem Weg zur erweiterten Widerspruchslösung

  1. Initiative wird eingereicht
    Die Volksinitiative «Organspende fördern – Leben retten» der Jeune Chambre Internationale (JCI) Riviera wird am 22. März 2019 der Bundeskanzlei übergeben.

  2. Gegenvorschlag des Bundesrats
    Der Bundesrat schlägt mit Beschluss seiner Sitzung vom 13. September 2019 als indirekten Gegenvorschlag zur Initiative die Einführung einer erweiterten Widerspruchslösung vor.

  3. Stellungnahme zum indirekten Gegenvorschlag
    Das Initiativkomitee nimmt zum indirekten Gegenvorschlag des Bundesrats in einer Vernehmlassungsantwort Stellung.

  4. Stellungnahme Swisstransplant
    Swisstransplant nimmt zum indirekten Gegenvorschlag des Bundesrats anhand eines Positionspapiers und einer Vernehmlassungsantwort Stellung.

  5. Botschaft des Bundesrats an das Parlament
    Der Bundesrat hat am 25. November 2020 die Botschaft zum revidierten Transplantationsgesetz an das Parlament überwiesen.

Sich für oder gegen die Organspende entscheiden, ist eine Entscheidung für das Leben. Halten Sie hier Ihren Entscheid im Nationalen Organspenderegister fest und sorgen Sie für Sicherheit, Klarheit und Entlastung.

Stimmbürgerumfrage: Schlussbericht

Stimmbürgerumfrage: Schlussbericht

Swisstransplant Stimmbürgerumfrage 2019 Organspende-Initiative

Stimmbürgerumfrage: Kurzbericht

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Swisstransplant Stimmbürgerumfrage 2019 Organspende-Initiative

Stimmbürgerumfrage: Medienmitteilung

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Swisstransplant Stimmbürgerumfrage 2019 Organspende-Initiative