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Häufige Fragen zur Organspende-Initiative
1.
Was bedeutet «explizite Zustimmung»?

Bei der expliziten Zustimmung werden nur Organe entnommen, falls die verstorbene Person zu Lebzeiten einer Organspende zugestimmt hat. Liegt keine Zustimmung vor, wird dies als Ablehnung gewertet.

Erweiterte explizite Zustimmung
Die erweiterte explizite Zustimmung entspricht dem aktuellen System in der Schweiz: Ist kein Wille der verstorbenen Person ersichtlich, müssen die Angehörigen stellvertretend für die verstorbene Person entscheiden.

2.
Was bedeutet «vermutete Zustimmung» oder «Widerspruchslösung»?

Bei der vermuteten Zustimmung (auch Widerspruchslösung genannt) ist eine Organentnahme zulässig, wenn die verstorbene Person sich zu Lebzeiten nicht gegen die Organspende ausgesprochen hat. Liegt kein Widerspruch vor, wird dies als Zustimmung gewertet.

Erweiterte vermutete Zustimmung
Bei der erweiterten vermuteten Zustimmung können die Angehörigen einer Organentnahme widersprechen, falls sie Kenntnis davon haben, dass die verstorbene Person ihre Organe nicht hätte spenden wollen.

3.
Wie muss ich vorgehen, wenn die Widerspruchslösung angenommen wird und ich Organe spenden möchte?

Der Spendewille wird auch ohne dokumentierte Zustimmung vermutet, das heisst, dass jede Person in der Schweiz per se Spenderin oder Spender ist. Ein zusätzlicher Eintrag in ein Register ist wünschenswert. Auch die Information der Angehörigen bleibt genauso wichtig wie bisher.

4.
Was passiert, wenn die Widerspruchslösung angenommen wird und ich keine Organe spenden möchte?

Ein Eintrag im Register für Personen, die sich zu Lebzeiten gegen eine Organspende entscheiden, verhindert die Organ- und Gewebespende und ist gesetzlich bindend.

5.
Was passiert, wenn die Widerspruchslösung angenommen wird und ich meine Meinung zur Organspende ändere?

Ein Eintrag im Register kann jederzeit geändert oder gelöscht werden.

6.
Was passiert, wenn ich mich nicht eintrage?

Wer sich zu Lebzeiten nicht im Register eingetragen hat, wird als mögliche Organspenderin beziehungsweise als möglicher Organspender betrachtet. Die Angehörigen können einer Organentnahme jedoch widersprechen, falls sie Kenntnis davon haben, dass die verstorbene Person ihre Organe nicht hätte spenden wollen.

7.
Können die Angehörigen bei Annahme der Widerspruchslösung nicht mehr mitreden?

Das Gespräch mit den Angehörigen findet in jedem Fall statt, ausser im Register besteht ein Eintrag, dass sich die betreffende Person gegen eine Organspende entschieden hat. Bei fehlendem Eintrag im Register können die Angehörigen einer Organentnahme widersprechen, falls sie Kenntnis davon haben, dass die verstorbene Person ihre Organe nicht hätte spenden wollen.

8.
Bleibt die Organspende-Karte und/oder die Patientenverfügung gültig?

Jede Art der Willensäusserung wird den Angehörigen im Gespräch vorgelegt. Bei unterschiedlichen Aussagen wird die aktuellste Willensäusserung berücksichtigt. Bei nicht urteilsfähigen Personen entscheiden wie bisher die verantwortlichen Personen (Eltern/Vormund).

9.
Warum unterstützt die Stiftung Swisstransplant die Organspende-Initiative ideell?

Während der vergangenen Jahre hat sich Swisstransplant auf die Umsetzung der Massnahmen des Aktionsplans «Mehr Organe für Transplantationen» von Bund und Kantonen auf der Ebene der Spitäler konzentriert. Es wurden grosse Fortschritte erzielt. Die Rückmeldung der involvierten Fachpersonen zeigt jedoch auf, dass in gut der Hälfte der Fälle den nächsten Angehörigen der Wunsch der Verstorbenen betreffend Organ- und Gewebespende nicht bekannt ist, weshalb in mehr als 60 Prozent der Gespräche eine Organ- und/Gewebespende abgelehnt wird. Stellvertretend im Sinne der verstorbenen Person entscheiden zu müssen ist für die Angehörigen sehr belastend. Im Zweifel wird die Organspende deshalb abgelehnt, womit die Gefahr besteht, dass dem Wunsch der verstorbenen Person nicht Rechnung getragen wird. In einer derart zentralen Fragestellung sollten die Dokumentation und die Umsetzung des Willens oberstes Gebot sein. Der Stiftungsrat von Swisstransplant wie auch die Expertinnen und Experten aus den Bereichen Organspende und -transplantation unterstützen die Initiative.

10.
Was ist die Hauptursache der tiefen Organspenderate in der Schweiz?

Im Rahmen des Aktionsplans «Mehr Organe für Transplantationen» von Bund und Kantonen wurden inzwischen viele Massnamen umgesetzt. So wurden Strukturen und Prozesse, das Qualitätsmanagement, die Ausbildung und die zweckgebundene Finanzierung von Fachpersonen in den Spitälern implementiert. Das grösste Problem bleibt die hohe Ablehnungsrate von über 60 Prozent. Swisstransplant ist der Ansicht, dass dieses Problem mit einem Wechsel der Zustimmungsmodalität in Kombination mit einem Register aktiv angegangen werden kann. Zudem sind die Fachpersonen der Meinung, dass die freie Entscheidung und die Sicherheit für die Bevölkerung mit diesem Systemwechsel verbessert werden kann.

11.
Warum hat Swisstransplant die Organspende-Initiative nicht selbst lanciert?

Als nationale Stiftung zählt Swisstransplant das Ausarbeiten von Volksinitiativen nicht zu ihren Aufgabengebieten. Der Vorstoss der Jeune Chambre Internationale Riviera (JCI Riviera) fand in den Gremien von Swisstransplant jedoch eine breite Unterstützung, gerade weil die Initiative aus dem Volk kommt und nicht vonseiten der Fachpersonen.

12.
Ist die Widerspruchslösung die Lösung für alles?

Die Widerspruchslösung ist kein Allheilmittel, sie kann aber die Chancen der Patientinnen und Patienten auf ein Spenderorgan verbessern. Ein Wechsel zur Widerspruchslösung garantiert keine höheren Organspendezahlen, ermöglicht aber in jedem Fall eine erhöhte Rechtssicherheit im Sinne der besseren Umsetzung des tatsächlichen Patientenwunsches.

13.
Die Widerspruchslösung wurde 2013 im Ständerat und 2015 im Nationalrat debattiert und abgelehnt. Passt der Zeitpunkt für die Lancierung der Organspende-Initiative?

In den letzten Jahren wurden zahlreiche Massnahmen des Aktionsplans von Bund und Kantonen «Mehr Organe für Transplantationen» umgesetzt. Die Prozesse in den Spitälern wurden optimiert und die Bevölkerung umfassend über die Organspende informiert. Trotzdem konnte die gewünschte Zahl von 20 Organspendern pro Million Einwohner nicht erreicht werden. Swisstransplant ist der Ansicht, dass die Politik und die Bevölkerung jetzt bereit sind, sich noch einmal mit der Zustimmungsmodalität zu befassen, und dass eine Mehrheit auf parlamentarischer Ebene möglich ist.

14.
Welche Vorteile bietet die Widerspruchslösung?

Durch die Einführung der Widerspruchslösung würde sich ein Grossteil der Bevölkerung mit dem Thema Organspende auseinandersetzen. Die Zahlen von anderen Ländern zeigen, dass eine Widerspruchslösung zu mehr Organspendern führen kann, was die Wartezeit auf ein Organ deutlich verkürzen könnte und vielen Menschen zu einer besseren Lebensqualität verhelfen würde.

15.
Bedeutet die Widerspruchslösung eine automatische Spende?

Ein Wechsel zur Widerspruchslösung bedeutet keine automatische Spende, sondern verschiebt im Organspendeprozess lediglich die Verantwortung vom zustimmenden zum ablehnenden Spender. Die Persönlichkeitsrechte und die Wahlfreiheit bleiben in jedem Fall bestehen, auch die Angehörigengespräche werden weiter geführt, wenn der Wunsch des potenziellen Spenders oder der potenziellen Spenderin nicht dokumentiert ist.

16.
Unterstützen Politikerinnen und Politiker das Thema Organ- und Gewebespende sowie die Organspende-Initiative?

Auf Stufe Bund und auf Stufe Kantone stehen zahlreiche Politikerinnen und Politiker aus den verschiedenen Parteien dem Thema Organ- und Gewebespende sowie der Organspende-Initiative positiv gegenüber. Auch der Bundesrat hat sich mit dem indirekten Gegenvorschlag zur Volksinitiative «Organspende fördern – Leben retten» für die Einführung der Widerspruchslösung ausgesprochen.

17.
Unterstützt Swisstransplant den indirekten Gegenvorschlag des Bundesrates?

Swisstransplant begrüsst, dass der Bundesrat den Handlungsbedarf betreffend Zustimmungsmodalität in der Organspende erkannt hat. Swisstransplant unterstützt den Gegenvorschlag des Bundesrates zur Volksinitiative «Organspende fördern – Leben retten» im Grundsatz, da er das Kernanliegen von Swisstransplant – der Wechsel von der expliziten zur vermuteten Zustimmung – umsetzt. Swisstransplant setzt sich ein für ein «Ja/Nein»-Register, indem sowohl eine Zustimmung als auch eine Ablehnung zur Organspende festgehalten werden kann. Das Nationale Organspenderegister von Swisstransplant gewährleistet diese Optionen bereits heute.