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Die verschiedenen Modelle der Willensäusserung

Die Frage, wie die Bürger zur Organspende stehen, ist eine sehr persönliche. Dennoch muss sie in einem Staat allgemein geregelt sein. Dies leisten in der Schweiz die rechtlichen Grundlagen, wie sie im Transplantationsgesetz, Art. 8, festgehalten sind. In der Schweiz gilt derzeit die erweiterte explizite Zustimmungslösung. Doch wird die aktuelle Lösung der heutigen Situation noch gerecht? Und welche anderen Modelle der Willensäusserung gibt es? Eine Übersicht:

Enge explizite Zustimmung

Bei der engen expliziten Zustimmung werden nur Organe entnommen, falls die verstorbene Person zu Lebzeiten einer Organspende zugestimmt hat. Liegt keine Zustimmung vor, wird dies als Ablehnung gewertet.

Kurzeinschätzung Swisstransplant: Dieser sehr enge Rahmen kann dazu führen, dass dem Willen einiger Spender nicht entsprochen wird, weil die Angehörigen unter Umständen gar nicht dazu befragt werden.

Erweiterte explizite Zustimmung

Die erweiterte explizite Zustimmung entspricht dem aktuellen System in der Schweiz: Ist kein Wille der verstorbenen Person ersichtlich, müssen die Angehörigen stellvertretend für die verstorbene Person entscheiden.

Kurzeinschätzung Swisstransplant: Wir arbeiten laufend an der Verbesserung der Patientengespräche und an der Bekanntmachung des Themas. Der Widerspruch zwischen Umfragewerten mit hoher Zustimmung und den effektiven Spenden zeigt aber: Wenn der Wille des Verstorbenen nicht bekannt ist, dann belastet dies die Angehörigen, und deshalb neigen sie dazu, im Zweifelsfall nein zu sagen.

Enge vermutete Zustimmung (Widerspruchslösung)

Bei der vermuteten Zustimmung ist eine Organentnahme zulässig, wenn die verstorbene Person sich zu Lebzeiten nicht gegen die Organspende ausgesprochen hat. Liegt kein Widerspruch vor, wird dies als Zustimmung gewertet.

Kurzeinschätzung Swisstransplant: Dieser sehr enge Rahmen kann dazu führen, dass dem Willen einiger Spender nicht entsprochen wird, weil die Angehörigen unter Umständen gar nicht dazu befragt werden.

Erweiterte vermutete Zustimmung (erweiterte Widerspruchslösung)

Bei der erweiterten vermuteten Zustimmung können die Angehörigen einer Organentnahme widersprechen, falls sie Kenntnis davon haben, dass die verstorbene Person ihre Organe nicht hätte spenden wollen. Liegt kein Entscheid vor, so wird davon ausgegangen, dass die verstorbene Person mit der Organspende einverstanden wäre.

Kurzeinschätzung Swisstransplant: Die meisten Länder Europas kennen die vermutete Zustimmung (Widerspruchslösung). Sie entlastet die Angehörigen und gibt ihnen zugleich das maximale Mitspracherecht. Dass deshalb gegen den Willen der verstorbenen Personen Organe entnommen würden, ist von keinem dieser Länder bekannt.

Erklärungslösung (Vorschlag Nationale Ethikkommission)

Die Nationale Ethikkommission NEK vertritt den Standpunkt, dass aus dem Schweigen einer potenziellen spendenden Person nicht ohne Weiteres auf eine Einwilligung geschlossen werden könne. Sie knüpft dies an eine Sicherstellung der Informiertheit. Dies soll eine breite, spezifische und regelmässige Information der Bevölkerung sicherstellen.

Kurzeinschätzung Swisstransplant: Swisstransplant hat für diesen Standpunkt Verständnis, vor allem für den Punkt einer regelmässigen Aufklärung. Die meisten Länder Europas haben die Widerspruchslösung. Bereist man als Schweizer diese Länder, so wird gleichfalls davon ausgegangen, dass man darüber informiert ist, was dies bezüglich Organspende bei einem möglichen tödlichen Unfall bedeutet.

Die Schweiz sollte diesen Schritt jetzt tun

Swisstransplant befürwortet die erweiterte Widerspruchslösung (erweiterte vermutete Zustimmung) in Kombination mit einem Register. Für die involvierten Fachpersonen ist es von zentraler Bedeutung, dass der Wille der verstorbenen Person bestmöglich berücksichtigt wird. Dies ist nur möglich, wenn sich jede Person zu Lebzeiten für oder gegen eine Organspende entscheidet. Die vermutete Zustimmung würde voraussetzen, dass sich die Bevölkerung mit der Thematik beschäftigt und einen Entscheid trifft. Dies brächte Sicherheit, Klarheit und eine Entlastung – sowohl für die Angehörigen als auch für das Spitalpersonal. Das Organspenderegister von Swisstransplant ist so angelegt, dass sowohl ein Ja als auch ein Nein registriert werden kann. Damit ist in jedem Fall die Voraussetzung für Sicherheit, Klarheit und Entlastung in der Frage der Organspende geschaffen.

Sich für oder gegen die Organspende entscheiden, ist eine Entscheidung für das Leben. Halten Sie hier Ihren Entscheid im Nationalen Organspenderegister fest und sorgen Sie für Sicherheit, Klarheit und Entlastung.