Andy R., Jahrgang 1992, Kaufmann. Der Berner lebt seit 2009 mit einer neuen Lunge.  

«Manchmal setze ich mich hin und atme tief ein und aus. Dann spüre ich das Leben. Ein Leben, das mir vor gut sechs Jahren noch einmal geschenkt wurde. Ich war 17 und litt seit zwei Jahren an einer seltenen Erkrankung der Lungengefässe. Ich bekam zu wenig Sauerstoff. Sämtliche Therapien mit Medikamenten waren erfolglos geblieben. Ich sass fast immer im Rollstuhl. Als mich die Ärzte auf die Transplantationsliste setzten, konnte ich kaum noch aufrecht sitzen.

Dann kam endlich der ersehnte Anruf: Die Ärzte hatten eine Lunge für mich. Ich sammelte alle meine Kräfte für die bevorstehende Operation. Niemand ahnte, dass ich eine Woche lang narkotisiert sein würde. Ich bekam nicht mit, dass die Spenderlunge nicht gesund war. Dass mich die Ärzte nicht operieren wollten und stattdessen auf die internationale urgent-List für dringende Fälle setzten. Dass zwei Tage später ein neues Organ aus England eingeflogen und transplantiert wurde. Oder dass die Mediziner mich vorerst nicht aus der Narkose holten, weil sie einen Herzstillstand befürchteten.

Sieben Tage später war ich stabil. Als ich mit meiner neuen Lunge aufwachte, wollte ich mir keine Gedanken darüber machen, was mein eigenes Glück für die Spenderfamilie bedeuten musste. Ich konzentrierte mich darauf, gesund zu werden. Es dauerte fast zwei Jahre, bis ich wieder vollständig erholt war. Heute fahre ich Rad und spiele Fussball. Das ist ein Geschenk.»

Quelle: Angela Lembo / Schweizer Familie, September 2013