Renata I., Jahrgang 1960. Die Versicherungsfachfrau aus dem Kanton Zürich bekam 2004 ein neues Herz.

«Vor elf Jahren bereitete ich mich auf den Tod vor. Angefangen hatte alles wenige Wochen zuvor mit einem Husten, Abgeschlagenheit und Wasser auf der Lunge. Die Ärzte diagnostizierten eine Herzinsuffizienz, die mit Tabletten gut zu behandeln wäre. Doch die Medikamente schlugen nicht an. Mein Herz wollte nicht mehr arbeiten. Der Zustand war kritisch. Die Ärzte operierten und schlossen mich an ein künstliches Herz an, das mich fortan am Leben erhielt.

Mein Partner und ich machten uns auf das schlimmste gefasst. Acht Jahre waren wir bereits zusammen. Wir wollten den Moment nicht verpassen, unsere Liebe offiziell zu besiegeln. Darum gaben wir uns in der kleinen Koje auf der Intensivstation das Jawort.

Nach viereinhalb Wochen auf der Warteliste hatten die Ärzte ein Herz für mich. Meine Gefühle überschlugen sich. Ich freute mich und hatte zugleich grosse Angst, nie mehr aus der Narkose zu erwachen. Doch ich erwachte. Die achtstündige Operation war gut verlaufen. Ich hatte überlebt.

Trotz aller Freude konnte ich nicht vergessen, dass in der gleichen Nacht eine Familie einen geliebten Menschen verloren hatte. Ich sagte mir immer wieder, dass dieser Mensch nicht meinetwegen gestorben war. Dass ich aber nur seinetwegen überlebt hatte. Und mir ist bis heute immer bewusst, dass das Herz in meiner Brust einst einem anderen Menschen gehörte. Aber ich bin glücklich, dass es heute für mich schlägt.»

Quelle: Angela Lembo / Schweizer Familie, September 2013