Tanja C., Jahrgang 2001. Die Schülerin aus dem Kanton SZ bekam 2002 eine neue Leber.

«Im Traum sehe ich manchmal dieses Bild: Ein Baby im Gitterbett ruft nach der Mutter und weint. So muss es gewesen sein. Daran erinnern kann ich mich nicht. Ich war erst ein Jahr alt. Aber meine Eltern haben mir Fotos gezeigt und mir erzählt, was nach meiner Geburt geschah.

Ich war wenige Wochen alt und meine Leber wollte nicht arbeiten. Ich erbrach viel, war gelb, immer hungrig und erschöpft. Warum meine Leber krank war, wissen wir bis heute nicht. Der Doktor sagte meinen Eltern damals, dass ich ohne eine neue Leber in zwei bis drei Jahren sterben würde. Meine Eltern reisten mit mir nach Genf, weil die Ärzte sich dort mit Transplantationen von Kinderorganen auskannten. Ich kam auf die Warteliste. Aber mir ging es immer schlechter. Der Arzt sagte, die Chance, dass mein geschwächter Körper die Transplantation überstehen würde, läge bei 50 Prozent.

Das war für meine Eltern ganz schlimm. Mein Vater wollte nicht mehr länger warten und war bereit, mir einen Teil seiner Leber zu spenden. Es war alles vorbereitet. Doch gerade rechtzeitig kam die Nachricht, dass man eine andere Leber für mich gefunden habe. Da war ich 1 Jahr und 16 Tage alt. Die Operation verlief gut. Danach gab es einmal Komplikationen, weil mein Körper die Leber abstossen wollte. Und ich hatte oft Lungenentzündungen. Aber mit den nötigen Medikamenten kam alles in Ordnung. Heute geht es mir so gut wie jedem anderen Kind. Und die Leber in meinem Bauch ist zu einem Teil von mir geworden.»

Quelle: Angela Lembo / Schweizer Familie, September 2013