Jessica H. ist seit 16 Jahren herztransplantiert

 

«Wir alle sind mit einem geschenkten Leben dort. Wir wissen nicht, wie lange wir noch leben, die Freundschaften sind daher sehr intensiv. Vielleicht auch weil man genau weiss, es könnte das letzte Mal sein, dass man sich sieht.»

 

Alter: 33
Disziplin an den World Transplant Games: Schwimmen

Wie oft warst du bereits an den World Transplant Games dabei? Was hat dir dabei am besten gefallen?
Im 2004 habe ich erstmals an der Europameisterschaft in Dublin teilgenommen. Seither habe ich an fünf Europameisterschaften und an zwei Weltmeisterschaften mitgemacht. An den Europameisterschaften habe ich jedesmal gewonnen, einmal bin ich Weltmeisterin geworden, einmal habe ich den 2. und einmal den 3. Platz erreicht. Mir gefällt das Emotionale an den Spielen: wir alle können nur dank eines neuen Organes teilnehmen. Man spürt die Dankbarkeit und Gemeinschaft an den World Transplant Games sehr stark.

Was hat dich dazu bewegt mitzumachen?
Früher war ich Spitzensportlerin im Schwimmen. Als ich transplantiert wurde, wusste ich nicht, dass es diese Spiele für Transplantierte gibt. Dann habe ich mich darüber informiert und fand das eine fantastische Sache. Ich hatte die Motivation wieder, einmal an einem Wettkampf teilzunehmen. Es war DIE Gelegenheit, wieder Sport zu treiben und schwimmen zu können. Ich fand die Möglichkeit, dass Transplantierte an diesen Spielen mitmachen können, sehr toll.

Du nimmst an der Disziplin Schwimmen teil. Trainierst du speziell für die Spiele?
Eigentlich geht es an den Spielen nicht ums Gewinnen. Aber der alte Ehrgeiz packt mich immer wieder und klar, ich möchte schon etwas erreichen! Da gehört das Training automatisch dazu. Ich merke, dass mein Körper nicht gleich ist wie vor der Transplantation, d.h. ich muss viel mehr Kondition trainieren. Ich schwimme an den World Transplant Games ganze zwei Tage in fünf Disziplinen. Das ist sehr harte Arbeit für mich und ich versuche meinen Körper so gut wie möglich darauf vorzubereiten. Allzu viel trainieren darf ich jedoch nicht, da ich immer aufpassen muss, nicht krank zu werden. Gemäss den Ärzten ist das Wasser nicht gut für mich, da wir Transplantierte kein gutes Immunsystem haben. Ich drehe mich da immer ein wenig im Teufelskreis, da ich einerseits trainieren sollte damit ich mithalten kann, aber gleichzeitig darf es nicht zu viel sein, da ich sonst riskiere, wieder krank zu werden. Ich probiere nun jeden Tag ins Wasser zu gehen, damit ich das sogenannte «Wassergefühl» bekomme. Zudem gehe ich jeden Tag mit den Hunden laufen.

Hat das Schwimmen bereits vor der Transplantation eine wichtige Rolle für dich gespielt?
Ich hatte, als ich klein war, starkes Asthma. Deshalb haben mir die Ärzte geraten, zu schwimmen. Meine Mutter war früher auch Spitzenschwimmerin. Als Dreijährige habe ich damit begonnen. Mit sechs Jahren war ich beim SK Bern (Schwimmclub Bern) drei Mal die Woche im Training, anschliessend sogar zehnmal pro Woche.
Wegen dem Schwimmen habe ich schlussendlich auch ein neues Herz gebraucht. Früher hatte ich einen falschen Ehrgeiz: ich bin mit Fieber ins Training gegangen, habe meine Antibiotika vergessen einzunehmen, und hatte trotzdem zehn Trainings pro Woche. Im Nachhinein bin ich dafür dankbar, da es eine Lebensschule für mich war: Ich konnte die mentale Stärke mitnehmen, die ich heute noch habe. Ich geniesse das Leben und habe keine Angst davor. 

Was hast du dir als Ziel für die WTG gesteckt?
Eigentlich ganz klar den Weltmeistertitel zu verteidigen. Aber das Team Nieren und Leber ist sehr stark - die Konkurrenz ist insgesamt sehr gross.
Ziel ist es aber auch, eine gute Zeit zu haben und die Emotionen einzufangen – es mit den anderen Leuten zu geniessen.

Was macht die WTG für dich so speziell?
Das Spezielle an den Spielen ist, dass man wie eine grosse Familie ist. Man sieht sich immer wieder, manchmal leider das letzte Mal. Wir alle sind mit einem geschenkten Leben dort. Wir wissen nicht wie lange wir noch leben, die Freundschaften sind daher sehr intensiv. Vielleicht auch weil man genau weiss, es könnte das letzte Mal sein, dass man sich sieht. Man merkt bei den Spielen immer, dass Leben und Tod sehr nah sind. Aber man freut sich so umso mehr, wieder die Leute zu treffen.