Lara B. ist seit 4 Jahren lebertransplantiert

 

«Eigentlich verdient jeder Mensch, der an den World Transplant Games mitmacht, eine Medaille! Alle diese Lebensgeschichten kann man aber nicht einfach mit Medaillen fassen und bewerten. Was zählt, ist das Zusammensein, dankbar zu sein und das Leben zu feiern.»

 

 

 

Alter: 45
Disziplin an den World Transplant Games: Golf, Weitsprung, 100 m

Was ist der Hauptgrund für Ihre Teilnahme an den WTG?
Für mich steht klar im Vordergrund, dass ich mit Transplantierten aus der ganzen Welt meinen Lieblingssport Golf spielen kann und wir uns gemeinsam über unser zweites Leben freuen können. Es ist spannend, sich mit anderen Personen aus anderen Kulturen zu treffen, welche die gleiche Ausgangslage haben: 2000 Athleten sind nur dank dem Geschenk der Spender und Spenderfamilien so gesund, dass sie bei diesen Spielen mitmachen können. Es ist sehr eindrücklich wenn man sich das vorstellt und sehr emotional, wenn man das miterleben darf.

Sie sind Schweizer Botschafterin für «Fit For Life». Was heisst das genau? Was sind Ihre Aufgaben in dieser Funktion?
Genau. Ich bin Botschafterin für «Fit For Life», das durch die World Transplant Games Federation initiiert wurde. Diese Initiative hat zum Ziel, dass sich Transplantierte öfters und mehr bewegen. Zusammen mit lokalen Vereinen, aber auch mit den Universitätsspitälern arbeiten wir daran, diese Botschaft an möglichst viele Transplantierte zu überbringen und möglichst viele Menschen zu erreichen. Eines der Ziele ist, dass mittel- bis langfristig alle Universitätsspitäler der Schweiz möglichst ähnliche Informationen für die Patienten vor und nach der Transplantation haben. Ich selbst arbeite im Inselspital Bern in der Klinik für Viszerale Chirurgie und Medizin. Mein persönliches Ziel ist es, dass transplantierte Personen zukünftig vermehrt und besser über den Nutzen von regelmässiger körperlicher Aktivität informiert und dabei womöglich auch begleitet werden. Die World Transplant Games können ein inspirierender Ansporn dazu sein. In naher Zukunft wird von der World Transplant Federation zudem ein Motivationsprogramm kreiert werden, bei welchem die Aktivitäten nach Land und Kulturkreis angepasst werden können. Um die Leute zu inspirieren und zu motivieren ist es wichtig, dass möglichst viele Transplantierte mit gutem Beispiel vorangehen. Regelmässige körperliche Bewegung trägt dazu bei, Krankheiten wie Diabetes, hoher Blutdruck und Übergewicht und Kreislauferkrankungen zu bekämpfen. An den Spielen werden wir die Initiative international lancieren und über diverse Medien unsere Botschaft übermitteln.

An den World Transplant Games spielen Sie Golf. Was hat sie dazu bewegt diese Sportart auszuüben?
Im Rahmen eines Teamevents hat mein Mann an einem Golfkurs teilgenommen und war absolut begeistert davon. Ich hatte meine Zweifel und auch nicht wirklich Zeit, es selber auszuprobieren. Wir sind dann in den Südwesten von England in die Ferien gefahren. Dort, an einem wunderschönen Golfplatz mit Aussicht auf das Meer, konnte mich mein Mann dann überzeugen, ihn zu begleiten. Ich war von der Schönheit des Golfplatzes beeindruckt, einer Mischung zwischen reiner Natur und gepflegter Natur. Mich faszinierten auch die Technologie des Spiels, die Kombination von präziser Technik und Taktik und die Mischung von Konzentration und Gelassenheit. Zudem ist man beim Golfspielen bei jedem Wetter draussen und kann entweder mit anderen Leuten spielen oder alleine. Auch wenn ich mich in Turnieren mit anderen Spielern messe, ist Golf eine Sportart, bei welcher ich vor allem motiviert bin, mein eigenes Spiel kontinuierlich zu verbessern. Beim Golfen kann ich abschalten, es ist für mich Erholung für Körper und Geist, weil man alles andere vergisst.

Hat das Golfen bereits vor der Transplantation eine wichtige Rolle in Ihrem Leben gespielt?
Ja, ich habe kurz bevor ich auf die Warteliste gekommen bin, mit dem Golfen angefangen, das war im Jahr 2012. Als ich auf der Warteliste stand, war es eine geeignete Ablenkung. Man hat beim Golfen keine Zeit an etwas anderes zu denken. Es gibt einem viel zurück und man bleibt dabei auch noch fit! Bei den World Transplant Games benötigt man ein Handicap 25 (Spielpotential eines Golfers), um überhaupt mitmachen zu dürfen. Das war für mich eine zusätzliche Motivation, um dort mitzumachen. Ein weiterer Ansporn für mich war, dass ich wieder mit meiner Familie golfen wollte, denn unsere drei Kinder spielen mittlerweile auch alle Golf.

Wie wichtig ist es für Sie, eine Medaille zu gewinnen?
Für mich zählt vor allem der sportliche Wettkampf. Die World Transplant Games sollen in der Bevölkerung etwas bewirken. Klar, eine Medaille ist eine Belohnung, aber sie steht für mich persönlich nicht im Vordergrund. Eigentlich verdient jeder Mensch, der an den World Transplant Games mitmacht, eine Medaille! Alle diese Lebensgeschichten kann man aber nicht einfach mit Medaillen fassen und bewerten. Was zählt, ist das Zusammensein, dankbar zu sein und das Leben zu feiern.