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Gisèle Ceppi (69) aus Boudry (NE)

Ich bin seit 1999 nierentransplantiert.

Ich war 39 Jahre alt, als mich der Nephrologe 1985 von meiner Krankheit in Kenntnis setzte: eine fortschreitende entzündliche Glomerulonephritis, die noch vor Ende des Jahres auf die Schlussphase mit Dialyse hinauslaufen würde. Ich habe 15 Jahre lang gegen diese Krankheit angekämpft. Meinen Beruf als Geschäftsführerin bei H & M habe ich weiterhin ausgeübt, weiterhin Verkaufsschulungen für Mitarbeiter gegeben, mich weiterhin an der Entwicklung der Stadt Neuenburg beteiligt und mich weiterhin um meine beiden Töchter gekümmert. Aber die Krankheit zehrte an mir und hat mir nach und nach die Kraft geraubt – schliesslich konnte ich nicht mehr Tennis spielen, und dabei hatte ich diesen Sport immer intensiv betrieben. Am 9 März 1999 habe ich das schönste Geschenk meines Lebens erhalten: ein «Juwel», das ich einem anonymen Spender und seiner Familie verdanke.

Ich war bereits sportlich unterwegs …

... an zahlreichen Ausgaben der Spiele. Ich habe an den World Transplant Games 2007 in Bangkok teilgenommen (Goldmedaillen im 3000-Meter-Lauf, 3000-Meter-Gehen, über 400 Meter und 200 Meter, sowie den Veteranenrekord im 3000-Meter-Gehen). 2008 war ich in Rovaniemi (Goldmedaillen im Skilanglauf der Superveteranen, klassisch, über 3 Kilometer, 1 Stunde), 2009 in Brisbane (Silbermedaillen im 1500-Meter- und 3000-Meter-Lauf, im Radrennfahren über 20 Kilometer und 5-Kilometer-Zeitfahren), 2010 in Sainte-Foy-Tarentaise (Goldmedaillen im Skilanglauf über 5 Kilometer, 1 Stunde, in der 3-mal-3-Kilometer-Langlaufstaffel sowie im 2-Kilometer-Schneeschuhlauf), 2011 in Göteborg (Goldmedaillen im Radrennfahren über 20 Kilometer und 5-Kilometer-Zeitfahren, Silbermedaillen im 3000-Meter-Gehen sowie im 1500- und 3000-Meter-Lauf), 2012 in Anzère (Goldmedaillen im 2-Kilometer-Schneeschuhlauf sowie im Skilanglauf über 3 Kilometer, 1 Stunde), 2013 in Durban (Silbermedaillen im Radrennfahren über 20 Kilometer und 5-Kilometer-Zeitfahren sowie im 5000-Meter-Lauf, Bronzemedaille über 400 Meter) und 2014 in La Chapelle d'Abondance (Goldmedaillen im 2-Kilometer-Schneeschuhlauf und im Skilanglauf über 3 Kilometer, 1 Stunde).

An den World Transplant Games erwartet mich …

... das reine Glück, diese unglaublich emotionalen Augenblicke erleben zu dürfen. Ich möchte diese Verbindung mit meinem Spender und seiner Familie nicht abreissen lassen. Im Geiste nimmt er gemeinsam mit mir an jedem sportlichen Wettkampf teil. Dieses Jahr freue ich mich besonders, bei den Spielen dabei zu sein, weil ich erst kürzlich ein künstliches Schultergelenk bekommen habe und dachte, dass es diesmal mit der Teilnahme wohl nichts wird. Aber es ist schon ein bisschen merkwürdig – dieses Jahr habe ich mich nur fürs Gehen eingeschrieben, weil ich erst vor Kurzem wieder mit dem Radfahren und Laufen angefangen habe. Die World Transplant Games geben mir ausserdem Gelegenheit, wieder Mitglied des Teams zu sein und diese grosse Familie von Transplantierten aus aller Welt wiederzutreffen, die alle an ihre Spender und deren Familien denken und zeigen wollen, dass es funktioniert mit den Transplantationen, dass es klappt, dass es hinhaut! Als ich in Bangkok meine erste Goldmedaille gewann, weinte ich, weil ich an meinen Spender dachte, ohne den ich diesen wundervollen Moment nicht hätte erleben können.

Freude im Leben macht mir …

... jeder Tag. Inzwischen bin ich 69 Jahre alt und geniesse das Leben in vollen Zügen. Dank der Zuneigung meiner Töchter, meiner Enkelkinder und meiner Freunde, dank des medizinischen Teams und der Ärzte, die mich versorgt haben, und dank meiner Marathonläufermentalität bin ich mit allem fertiggeworden. Der Sport war schon immer mein Rettungsanker. Ich muss mich in die Natur zurückziehen können, den Kopf freibekommen und das Gefühl haben, dass mein Körper mir gehört. Dieser Körper, der mich einen Moment lang im Stich gelassen hat. Ich sorge gut für dieses wertvolle Geschenk. Vor meiner Transplantation war ich arbeitssüchtig, seit meiner «Wiedergeburt» bin ich sportsüchtig! Durch die regelmässige sportliche Betätigung schwitze ich Giftstoffe aus und reinige so meinen Körper, und mein Transplantat funktioniert gut. Nach jeder körperlichen Anstrengung fühle ich mich wohl und ausgeglichen. Ich interessiere mich sehr für gesunde Ernährung und habe meine Essgewohnheiten grundlegend umgestellt: viel Gemüse, Obst und Getreide, aber kein Fleisch mehr. Ausserdem mache ich Yoga, um mein körperliches und seelisches Gleichgewicht zu bewahren. Ich bin ganz wild auf Musik, Theater und Malerei, bin in zahlreichen Verbänden aktiv und mache mich vor allem für die Förderung von Organspenden stark. Ich nehme jede Chance wahr, um zu reisen. Ich sehe mich als Glied einer Kette, die ich weiter knüpfen möchte. Ich habe etwas geschenkt bekommen, und heute schenke ich weiter. Mit meiner Gesundheit habe ich auch mein Gleichgewicht wiedergefunden – und mein Selbstvertrauen. Die Leute bezeichnen mich als «Wunderheilung». Überhaupt nicht! Ich möchte einfach nur das Leben geniessen und nichts von diesem Geschenk verschwenden, das ich erhalten habe. Jeder Tag ist ein Glücksmoment, den ich geniesse.

Zur Organspende sollte sich jedermann Gedanken machen, weil…

... wir nicht wissen, was das Schicksal für uns bereithält. Jeden Augenblick kann sich alles ändern, unser Leben kann gefährdet sein, und wir können plötzlich eine Organspende benötigen. Man darf sich nicht erst dann entscheiden, wenn das Unglück geschehen ist. Denn das Geschenk ist das Leben!