Breadcrumb Navigation

Michel Stückelberger (33) aus Chêne-Bourg (GE)

Ich bin seit 2010 doppelt lungentransplantiert.

Ich wurde mit Mukoviszidose geboren und habe schon sehr früh gelernt, mit Rückschlägen im Leben umzugehen. Trotz dieser Erbkrankheit konnte (und wollte!) ich viel von der Welt sehen: Im Jahr 2000 unternahm ich eine 7000 Kilometer lange Fahrradreise vom Nordkap in Norwegen bis nach Griechenland, 2002 befuhr ich – auch mit dem Fahrrad – die 26 höchsten Gebirgspässe der Schweiz, und 2008 radelte ich zusammen mit einem Freund die 10’000 Kilometer von der Prudhoe Bay in Alaska bis nach Mexico City. (Fotos und Berichte unter www.muco-velo.ch). Im Jahr 2010 musste ich dann den schwersten Kampf meines Lebens ausfechten. Aber meine Partnerin, meine Familie und meine Freunde standen mir zur Seite. Ich lag drei Monate lang intubiert im Koma auf der Intensivstation; einen Monat lang war ich an eine künstliche Lunge angeschlossen und stand ganz oben auf der Transplantationsliste. Schliesslich erhielt ich ein Paar fabelhafte neue Lungen, und seither ist jeder Tag schöner, grösser und intensiver als der vorangegangene. Seit November 2014 stellen meine Tochter und mein Sohn unser Leben auf den Kopf, und wir können unser Glück kaum fassen. Alexia und Mathias kamen dank der Grosszügigkeit eines Spenders und dank Liebe und Hoffnung auf die Welt.

Ich war bereits sportlich unterwegs …

... bereits einen Monat nach meiner Transplantation. Da konnte ich zum ersten Mal alleine aufstehen und mir im Bad meines Spitalzimmers die Zähne putzen. Ein unglaubliches Hochgefühl! Endlich ging es aufwärts! 2010 bin ich mit meinen neuen Lungen von Genf nach Göteborg geradelt, um an den World Transplant Games in Schweden teilzunehmen – 2300 Kilometer in 50 Tagen. Bei der Europameisterschaft der Herz-Lungen-Transplantierten 2012 in Holland habe ich eine Silbermedaille im Radrennfahren gewonnen, und 2013 folgte ein zweimonatiger Sporturlaub in Island. Schliesslich gewann ich bei der Europameisterschaft der Herz-Lungen-Transplantierten 2014 in Vilnius (Litauen) die Goldmedaille im Radrennfahren. Einer meiner schönsten Erfolge war die Fahrradtour von Genf nach Nizza über die legendäre Route des Grandes Alpes: 850 Kilometer, 20 Gebirgspässe und 19’500 Höhenmeter. 2015 war ich bei der EuregioTour zur Unterstützung von Organspenden mit dabei. Das waren 350 Kilometer mit dem Fahrrad von Innsbruck an den Gardasee.

An den World Transplant Games erwarten mich …

... Radrennfahren über 20 Kilometer und 5 Kilometer, 4-mal-100-Meter-Staffel und die Teilnahme am Doppel im argentinischen Nationalsport Tejo. Ein riesiges Dankeschön an Swisstransplant für die Unterstützung meiner Teilnahme. Die Spiele sind der perfekte Rahmen, um den glücklichen Ausgang des Abenteuers Transplantation und alle die Freudenmomente mit dem ganzen Schweizer Team zu feiern und natürlich jede Menge Medaillen mit heimzunehmen.

Freude im Leben macht mir …

... zu Atmen und meinen Spender durch mich weiteratmen zu lassen. Zeit mit meiner Familie zu verbringen. Gesunde Kinder zu haben und mitzuerleben, wie sie staunend die Welt und das Leben erkunden. Jeden Tag Rad zu fahren, allein oder mit der Familie in meinem Club. Momente der Zärtlichkeit und Vertrautheit mit meiner Partnerin Paula zu teilen, die eine ganz aussergewöhnliche Frau ist. Danke an das Leben!

Zur Organspende sollte sich jedermann Gedanken machen, weil…

... ihre Wichtigkeit von der Öffentlichkeit unterschätzt wird – das muss sich unbedingt ändern. Transplantation rettet Leben – meines und eines Tages vielleicht auch Ihr Leben oder das Ihrer Kinder oder eines anderen lieben Menschen. Dass unsere Kinder seit ihrem ersten Lebenstag Organspender sind, versteht sich von selbst. Wir müssen den Mut haben, zu diesem sensiblen Thema Stellung zu beziehen, dann haben wir dem Tod etwas entgegenzusetzen – und zwar das Leben!