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Organspende und Transplantation in Zeiten von COVID-19: Das Schlimmste verhindert

Auch Swisstransplant hat in den ersten Frühlingsmonaten eine intensive und herausfordernde Zeit erlebt. Die schlimmsten Szenarien blieben glücklicherweise aus. Mitte März wurden zwar zur Entlastung der Spitäler die Lebendspende und die Nierentransplantationen gestoppt. Die komplette Einstellung der Organspende konnte hierzulande jedoch vermieden werden. Patientinnen und Patienten, die dringend auf ein Vitalorgan warteten, konnten während der ganzen Zeit transplantiert werden. Mitarbeitende von Swisstransplant konnten zudem in Spitälern eingesetzt werden, um auszuhelfen.

Aufgrund der Entwicklungen in Norditalien hat Swisstransplant schon sehr früh den schweizweiten Lead auf dem Gebiet der Organspende und Transplantation übernommen. Ab dem 5. März wurden alle Organ- und Gewebespender auf COVID-19 getestet. Im engen Austausch mit den Intensivstationen und den Transplantationszentren informierte Swisstransplant ab dem 13. März täglich über das aktuelle Geschehen. Ein eigens durch Swisstransplant entwickeltes Modell gab Einblick in die regionale Situation und Verfügbarkeit der Programme, womit entlang der Ressourcen die Transplantationen der Vitalorgane (Herz, Leber und Lunge) schweizweit sichergestellt werden konnten. Auch die internationalen Kontakte wurden intensiviert und der Einschluss von möglichen Spenderinnen und Spendern erfolgte nach Rücksprache mit dem medizinischen Direktor von Swisstransplant.

SPENDERMELDUNG NICHT ABGEBROCHEN

In Rücksprache mit den verantwortlichen Transplantationszentren wurden Mitte März die Lebendspende und die Nierentransplantation von verstorbenen Spenderinnen und Spendern schweizweit gestoppt. Ziel war es, die Ressourcen in den Spitälern für Patientinnen und Patienten mit Covid-19 sicherzustellen bzw. weiter auszubauen. Mit dem Zurückfahren der nicht lebensnotwendigen Spende- und Transplantationsaktivitäten konnten Patienten, die dringend auf ein überlebenswichtiges Organ angewiesenen waren, weiterhin transplantiert werden. Obwohl einige Spitäler die Organspende aufgrund der hohen Fallzahlen von Patientinnen und Patienten mit COVID-19 kurzzeitig einstellen mussten, brach schweizweit gesehen die Erkennung und Meldung von potenziellen Spenderinnen und Spendern nicht gänzlich ein. So gab es im März 2020 zehn und im April neun verstorbene Organspenderinnen und -spender und die Transplantationsaktivität blieb – bis auf die Nierentransplantationen – im Vergleich zu den drei Vormonaten praktisch unverändert. Ganz im Gegensatz zu Frankreich, wo die Transplantationsaktivität um 90 % einbrach, und den USA, die einen Einbruch von über die Hälfte verzeichneten.

LOCKERUNGEN SCHON IM APRIL

Auf der Spenderseite liess sich gegen Ende April eine erste Entspannung feststellen. Seit Mitte Mai sind alle Organspendeprogramme wieder offen. Erfreulicherweise haben auch alle Spitäler ihre Spenderabklärungen wieder aufgenommen. Auch auf der Transplantationsseite hat sich die Situation seit Mitte April weitestgehend entschärft und zahlreiche Programme für die Transplantation von Nieren verstorbener Spenderinnen und Spender konnten wieder aktiviert werden. Dank der ersten Lockerung des Lockdowns am 27. April konnte die erste Nierenlebendspende durchgeführt werden. Die Nierentransplantationsprogramme von verstorbenen Spenderinnen und Spendern wurden fast zwei Wochen früher wieder aktiviert, nämlich am 14. April. Am längsten betroffen war das Universitätsspital Genf, welches ebenfalls in der ersten Maiwoche zur Normalität zurückkehren konnte.

Der durch Swisstransplant koordinierte Schulterschluss zwischen den Organspendespezialisten und den Transplantationszentren sowie die Zuteilung entlang der verfügbaren Ressourcen hat dazu geführt, dass die Organspende in der Schweiz diese erste Pandemiewelle praktisch ohne grossen Zusatzschaden überstand. An dieser Stelle möchten wir uns bei allen Fachpersonen schweizweit bedanken, die diese Lösung, welcher weltweit grosse Beachtung zukam, für die Patientinnen und Patienten auf der nationalen Warteliste erst möglich gemacht haben.

LANGFRISTIGE AUSWIRKUNGEN
Dank der exzellenten nationalen und internationalen Zusammenarbeit ist die Transplantationsaktivität im März und April nur leicht rückläufig. Der Unterbruch der Nierentransplantationen von verstorbenen Spenderinnen und Spendern für insgesamt rund vier Wochen, aber auch der Rückgang der Lebertransplantationsaktivität, welcher schon seit Sommer 2019 beobachtet wird, hat einen Einfluss auf die Warteliste. Im April ist die Sterberate auf der Warteliste deutlich angestiegen – vor allem die Todesfälle auf der Leberwarteliste steigen an. Wir hoffen, dass sich mit der Reaktivierung sämtlicher Spenderprogramme in der Schweiz anfangs Mai, die Situation wieder etwas entschärft.