«Die Organspende gibt dem Sterben einen Sinn»
Marie-Claude Kempf arbeitet seit 35 Jahren am Universitätsspital Genf (HUG). Seit 27 Jahren stehen Organspende und Transplantation im Zentrum ihres Jobs. Zu Beginn koordinierte sie beide Bereiche – Spende und Transplantation – parallel. Heute sind die Aufgaben im HUG aufgeteilt und die gebürtige Elsässerin konzentriert sich auf ihre Rolle als Transplantationskoordinatorin.
Die Themen, mit denen sich Transplantationskoordinatorin Marie-Claude Kempf seit Jahren täglich beschäftigt, sind ernst – doch ihr Lachen hat sie stets behalten.
Das Schönste an ihrer Arbeit ist für Marie-Claude Kempf, Patientinnen und Patienten auf der Warteliste anzurufen, wenn ein passendes Spendeorgan zur Verfügung steht. «Ich weiss, dass es ihr Leben ändern kann.» Am HUG hätten sie das Glück, dass das durchschnittlich 1 bis 2 Mal pro Woche passiert. «Es ist ein Anruf, auf den sie manchmal seit mehreren Jahren warten, und der alles auf den Kopf stellt. Das Wichtigste ist klare Kommunikation und der Patientin oder dem Patienten gut zuzuhören.»
Tag und Nacht im Einsatz
Ein Schwerpunkt der Transplantationskoordinatorin ist die minutiöse Planung aller Termine für die Chirurgieteams rund um die Organentnahme und die Transplantationen. Das Bild zeigt Marie-Claude Kempf mit einer Organtransportbox im HUG auf dem Weg zu einer Transplantation. «Klar, manchmal bin ich müde nach 27 Jahren und all den Pikettdiensten und Nächten. Trotzdem bin ich immer noch voll motiviert, weil ich weiss, dass meine Arbeit einen Sinn hat.»
Wichtiger Entscheid
«Zum Wichtigsten in den Gesprächen mit den Angehörigen zur Frage, ob eine Organspende im Sinn der verstorbenen Person ist, gehört Empathie, Verständnis und Respekt – wie auch immer die Entscheidung ausfallen mag.» Diese Gespräche zu führen, sei nie eine leichte Aufgabe gewesen, blickt Marie-Claude Kempf zurück. «Für mich bedeutet eine Organspende, dem Sterben einen Sinn zu geben. Die Traurigkeit überwiegt in dieser tragischen Situation, aber gleichzeitig entsteht Hoffnung.»
Am Ufer des Genfersees
Als Ausgleich zur Arbeit verbringt Marie-Claude Kempf gerne Zeit in der Natur mit der Familie und Freunden. «Damit ich meine Arbeit gut ausführen kann, braucht es Passion, Lebensfreude, Ausdauer, viel Einfühlungsvermögen, Dankbarkeit für die Organspendenden und manchmal auch Kreativität.»
Zu wenig Spendeorgane
«Leider gibt es nicht genügend Spendeorgane für die Menschen auf der Warteliste. Manche von ihnen sterben, weil sie nicht rechtzeitig transplantiert werden können. In meinen Augen wäre wichtig, die Anzahl Organspenderinnen und Organspender zu erhöhen. Ich hoffe, das gelingt mit der Umstellung auf die erweiterte Widerspruchsregelung», sagt Marie-Claude Kempf.