Welche Organe, Gewebe und Zellen können gespendet werden?

Eine Organ- und Gewebespende ist laut Transplantationsgesetz nur nach einer Einwilligung möglich.

In der Schweiz können bis zu sieben menschliche Organe gespendet und transplantiert werden: Herz, Lunge, Leber, beide Nieren,  Pankreas (Bauchspeicheldrüse) und Dünndarm. Das Pankreas kann als ganzes Organ oder als Zellansammlung isolierter Inselzellen  (diese Zellen produzieren u. a. Insulin) transplantiert werden. Diese werden in den Statistiken getrennt erfasst. Zu den transplantierbaren Geweben und Zellen gehören Augenhornhaut, Haut, Herzklappen und grosse Blutgefässe, Knochen, Knorpel, Sehnen und Bänder sowie Blutstammzellen (weitere Informationen zur Blutstammzellspende finden Sie auf der Website des Blutspendediensts).

Transplantierbare Organe

  • Herz

    Das Herz ist ein faustgrosses, muskulöses Pumporgan, das sich rhythmisch zusammenzieht und den gesamten Organismus mit sauerstoffreichem Blut versorgt.

    Seine Pumpbewegungen werden von elektrischen Impulsen gesteuert, die es selbst erzeugt. Mit jedem Herzschlag strömt sauerstoffarmes Blut in den rechten Teil des Herzens. Anschliessend fliesst das Blut durch den Lungenkreislauf, wo es mit Sauerstoff gesättigt wird. Das jetzt sauerstoffreiche Blut fliesst weiter zum linken Teil des Herzens und durch die Hauptschlagader in den Körper.

    Krankheitsbilder, die eine Transplantation notwendig machen können:

    Fortschreitendes Herzversagen, angeborene Herzfehler, koronare Herzkrankheiten oder Virusinfektionen können zu chronischer Herzinsuffizienz führen und den Herzmuskel schwächen. Dadurch verliert das Herz seine Pumpkraft. Patientinnen und Patienten, bei denen medikamentöse oder operative Therapien versagen, haben durch eine Transplantation eine Therapiemöglichkeit.

  • Lunge

    Die Lunge hat zwei Lungenflügel, die durch die Atmung Sauerstoff aufnehmen und Kohlendioxid ausscheiden. Durch die Luftröhre gelangt die Atemluft in die Bronchien, die sich in immer kleinere Bronchiolen verzweigen, die wiederum in den sogenannten Lungenbläschen (Alveolen) enden. Dieses Gefüge nennt man auch Bronchialbaum. Die Lungenbläschen sind von feinen Blutgefässen umgeben, über deren hauchdünne Membran Sauerstoff aufgenommen und Kohlendioxid abgegeben wird.

    Krankheitsbilder, die eine Transplantation notwendig machen können:

    Mukoviszidose (Cystische Fibrose), Lungenemphysem, pulmonale Hypertonie und auch seltenere Erkrankungen, Sarkoidose oder Inhalationsvergiftungen. Patientinnen und Patienten, die eine Lungentransplantation als rettende Therapie benötigen, sind auf eine künstliche Sauerstoffzufuhr angewiesen und nicht mehr in der Lage, die Aktivitäten des täglichen Lebens zu meistern. Die Lungenflügel können auch einzeln implantiert werden, häufiger werden jedoch beide Lungenflügel transplantiert.

  • Leber

    Die Leber wiegt ca. 1,5 bis 2 Kilogramm und ist das zentrale Organ des gesamten Stoffwechsels. Sie befindet sich im rechten Oberbauch und ist in zwei Hauptlappen und mehrere Segmente unterteilt. Die wichtigsten Aufgaben der Leber sind die Produktion von Eiweissstoffen wie Albumin, dem häufigsten Blutprotein, die Verwertung von Nahrungsbestandteilen und die Gallenproduktion. Die Galle dient dem Abbau und der Entgiftung verschiedener Stoffe wie Medikamente und Giftstoffe. Die Leber ist zudem für die Produktion von gewissen Gerinnungsfaktoren zuständig.

    Die Leber ist sehr gut durchblutet. Da sie innerhalb von kurzer Zeit wieder auf ihre Normalgrösse anwächst, können der rechte und der linke Leberlappen getrennt und an zwei verschiedene empfangende Personen transplantiert werden. Das Organ kann bis ins hohe Alter entnommen und transplantiert werden.

    Krankheitsbilder und Faktoren, die eine Transplantation notwendig machen können:

    Hepatitis B und C, angeborene Lebererkrankungen, Autoimmunkrankheiten, Lebertumore, Vergiftungen durch Medikamente oder Pilze sowie chronischer Alkoholkonsum.

  • Nieren

    Die Nieren scheiden über den Urin Endprodukte des Stoffwechsels und Giftstoffe aus dem Körper aus. Sie regulieren den Wasserhaushalt und den Säure-Basen-Haushalt und produzieren Hormone für die Blutbildung und die Regulierung des Blutdrucks.

    Krankheitsbilder, die eine Transplantation notwendig machen können:

    Diabetische Nephropathie, Glomerulonephritis, hypertensive Nephropathie, genetische Nierenerkrankung, polyzystische Erkrankung der Niere sowie Pyelonephritis sind die häufigsten Gründe für eine Nierentransplantation.

    Ein Ausfall der Nierenfunktion (Niereninsuffizienz) kann mit der sogenannten Dialyse (Blutwäsche) überbrückt werden. Die Patientinnen und Patienten müssen sich dreimal pro Woche einer mehrstündigen Dialysesitzung unterziehen. Die körperliche und psychische Belastung, die Abhängigkeit und eventuelle Komplikationen stellen für die Betroffenen eine grosse Herausforderung dar. Eine Transplantation kann diese Aspekte und allgemein die Lebensqualität nachhaltig verbessern. Transplantiert wird entweder die rechte oder die linke Niere der spendenden Person in den Unterbauch der empfangenden Person, wobei die kranken Nieren in der Regel im Körper verbleiben.

  • Bauchspeicheldrüse

    Die Bauchspeicheldrüse liegt quer im Mittelbauch zwischen Milz und Leber, hinter dem Magen. Ihre Ausgänge münden in den Dünndarm. Das Organ produziert Verdauungssäfte, die in den Dünndarm abgegeben werden. In der Bauchspeicheldrüse befinden sich auch die sogenannten Inselzellen, auch Langerhans’sche Inseln genannt, die die Hormone Insulin und Glucagon produzieren und den Zuckerhaushalt im Körper regulieren.

    Krankheitsbilder, die eine Transplantation notwendig machen können:

    Der häufigste Grund für eine Bauchspeicheldrüsen-Transplantation ist Diabetes mellitus Typ 1. Durch die Transplantation einer gesunden Bauchspeicheldrüse kann die externe Insulinzufuhr bei Diabetikern reduziert oder sogar eingestellt werden. Der Körper kann den Blutzuckergehalt wieder selbstständig regulieren. Die Bauchspeicheldrüse kann als ganzes Organ transplantiert werden, es können aber auch nur die Inselzellen transplantiert werden.

  • Dünndarm

    Vom Magen gelangt die Nahrung in den 4 bis 5 Meter langen Dünndarm und danach in den 1,5 Meter langen Dickdarm. Der Dünndarm spielt bei der Verdauung und der Aufnahme von Nährstoffen eine entscheidende Rolle. Die von der Leber und der Bauchspeicheldrüse produzierten Verdauungssäfte werden dem Nahrungsbrei zugeführt und die Magensäure wird neutralisiert. Dadurch werden die Nahrungsbestandteile zerlegt, sodass Kohlenhydrate, Proteine, Fette, Vitamine, Salze und Spurenelemente ins Blut aufgenommen werden können. Zu diesem Zweck verfügt die Oberfläche des Dünndarms über eine Vielzahl von Falten und Zotten und eine Gesamtfläche von rund 200 Quadratmetern.

    Krankheitsbilder, die eine Transplantation notwendig machen können:

    Bei seltenen angeborenen Erkrankungen oder nach grossen Operationen, bei denen grosse Teile des Dünndarms entfernt werden mussten, kann es zum sogenannten Kurzdarmsyndrom mit ungenügender Nährstoffaufnahme kommen. In diesen Fällen kann eine Dünndarmtransplantation sinnvoll sein. Die Immunreaktion nach der Transplantation eines Dünndarms ist stark. Früher war die Überlebenszeit des transplantierten Dünndarms kurz. Seit den 1990er-Jahren gibt es medikamentöse Therapien, die zu einer deutlichen Verlängerung der Überlebenszeit geführt haben. Dünndarmtransplantationen werden in der Schweiz sehr selten durchgeführt.

Transplantierbares Gewebe

  • Augenhornhaut

    Die Augenhornhaut ist das Sichtfenster des Auges. Sie ist der glasklare, von Tränenflüssigkeit benetzte, frontale Abschluss des Augapfels. Das Licht wird durch die Cornea und die Linse hindurch auf die Sinneszellen der Netzhaut geführt, die die Lichtreize durch den Sehnerv ins Gehirn weiterleiten.

    Krankheitsbilder, die eine Transplantation notwendig machen können:

    Krankhafte Trübungen der Hornhaut können angeboren sein oder nach Verletzungen, Infektionen oder Geschwüren auftreten. Auch erbliche Erkrankungen oder Stoffwechselstörungen können zu einer zunehmenden Trübung der Cornea führen. Wenn eine Hornhaut dauerhaft undurchsichtig geworden ist, hilft meistens nur noch eine Transplantation. In der Schweiz werden jährlich rund 650 solcher Operationen vorgenommen, weltweit geschätzt über 100 000 Corneatransplantationen. Die Transplantation von Hornhaut ist damit die häufigste Gewebetransplantation.

    Ob sich eine Hornhaut zur Transplantation eignet, hängt grösstenteils von der Zelldichte auf ihrer Innenseite ab. Ist diese nicht hoch genug, kann die entnommene Cornea nicht zur Transplantation verwendet werden. Aus diesem Grund ist der Bedarf an Hornhäuten von verstorbenen spendenden Personen wesentlich höher als die Anzahl der tatsächlich durchgeführten Transplantationen.

    Weitere Informationen zur Augenhornhauttransplantation finden Sie in unserer Broschüre.

  • Knochen und Knorpel

    Die Knochen bilden in erster Linie das Stützgerüst unseres Körpers, die knorpelüberzogenen Gelenke ermöglichen uns Bewegungsfreiheit. Einige Knochen haben spezielle Funktionen, z. B. schützen die Schädelknochen das Gehirn, und die Gehörknöchelchen leiten den Schall ins Innenohr. Andere enthalten das lebenswichtige Knochenmark und sorgen damit für den ständigen Nachschub an Blutzellen.

    Knochen- und Knorpeltransplantate stammen meist von verstorbenen spendenden Personen (allogene Transplantation). Lebendspenden stammen entweder von Hüftköpfen bei Patientinnen und Patienten, die ein künstliches Hüftgelenk erhalten, oder sind Gewebe, das aus dem eigenen Körper an eine andere Stelle übertragen werden (autogene Transplantation).

    Für Knochen gibt es Ersatzmaterial tierischer Herkunft (Xenograft, meist aus deproteinisiertem Rinderknochen), und es können auch künstliche Materialien verwendet werden. Vor allem in der Zahnmedizin sind diverse synthetische Produkte im Einsatz.

    Krankheitsbilder und Faktoren, die eine Transplantation notwendig machen können:

    Eine Transplantation wird nötig, wenn zu wenig intakte Knochensubstanz vorhanden ist. Dies kommt nach mehrfachen oder komplizierten Knochenbrüchen vor, nach einer Knocheninfektion, einer Tumoroperation oder beim Austausch einer Gelenkprothese. Auch in der Zahnheilkunde und der Kiefer- und Gesichtschirurgie werden regelmässig Knochentransplantate eingesetzt. Je grösser dabei der Defekt ist, desto eher müssen allogene Spendertransplantate eingesetzt werden.

    Knorpeltransplantationen erfolgen vorwiegend autogen am Knie- und am Sprunggelenk. Der Hauptgrund für Knorpeldefekte ist die Abnutzung (Arthrose) aufgrund von Verletzungen, Fehlbelastungen, Entzündungen (Arthritis) und manchmal genetischen Erkrankungen.

    Eigene Knorpelzellen können direkt von einer wenig belasteten Stelle im Gelenk zur defekten Stelle transplantiert werden. Fremde Zellen werden zuerst ausserhalb des Körpers angereichert, bevor sie transplantiert werden.

    In der Schweiz werden jährlich zwischen 200 und 300 allogene Knochentransplantationen vorgenommen. Autogene Transplantationen sowie Operationen mit synthetischem und tierischem Material werden nicht gesamtschweizerisch erfasst.

  • Herzklappen

    Die vier Herzklappen sind die Ventile des Herzens, die während des Pumpvorgangs einen Rückfluss von Blut verhindern. Bei der Transplantation von Herzklappen unterscheidet man zwischen mechanischen (künstlichen) und biologischen Klappen. Biologische Klappen werden je nach ihrer Herkunft als Xenograft (Gewebe vom Schwein) oder als Homograft (menschliches Gewebe) bezeichnet. Menschliche Klappen halten bis zu 20 Jahre, tierische etwas weniger lang. Künstliche Klappen bleiben im Vergleich zu biologischen Klappen länger funktionstüchtig, jedoch müssen die Patientinnen und Patienten lebenslang gerinnungshemmende Medikamente einnehmen.

    Menschliche Herzklappen stammen meistens von verstorbenen Gewebe- und Organspendenden, in seltenen Fällen auch von lebendspendenden Personen, denen ein neues Herz transplantiert wird. Für die Herzklappenspende gilt eine Alterslimite von 65 Jahren.

    Krankheitsbilder, die eine Transplantation notwendig machen können:

    Schäden an Herzklappen können bei Verkalkungen, Herzinfarkten oder Infektionen entstehen. Selten werden Menschen bereits mit Herz- oder Herzklappenfehlern geboren.

    In der Schweiz werden jährlich 20 bis 40 Homograft-Transplantationen durchgeführt. Zur Anzahl Operationen mit künstlichen und tierischen Herzklappen werden keine gesamtschweizerischen Zahlen erhoben. Da die Schweiz über keine eigene Gewebebank für Herzklappen verfügt, werden die benötigten Transplantate aus dem Ausland eingeführt sowie von spendenden Personen in der Schweiz an eine Gewebebank im Ausland ausgeführt.

  • Blutgefässe

    Die Arterien führen das sauerstoffreiche Blut vom Herzen zu den Verbrauchsorten: den Organen und Geweben. Von dort transportieren die Venen das sauerstoffarme Blut zurück zum Herzen. Dieses pumpt das Blut weiter zur Lunge, wo es erneut mit Sauerstoff angereichert wird.

    Krankheitsbilder, die eine Transplantation notwendig machen können:

    Gefässe können sich verengen und verstopfen, zum Beispiel durch Einlagerungen in den Gefässwänden (Arteriosklerose), Blutgerinnselbildung (Thrombose), Infektionen oder Vernarbungen. In manchen Fällen kommen Gefässtransplantate zum Einsatz. Sie können als Umleitung (Bypass) oder als Rekonstruktion eines kranken Gefässes dienen.

  • Haut

    Die Haut hat als unser grösstes und schwerstes Organ und als äussere natürliche Hülle des Körpers in erster Linie eine Schutzfunktion. Sie bewahrt uns vor Infektionen und Austrocknung und schützt den Körper vor Sonnenstrahlen, Hitze und Kälte. Die Schweissdrüsen spielen eine grosse Rolle beim Wärme- und Wasserhaushalt des Körpers. Die Haut hat eine grosse Selbstheilungskraft und eine gute Immunabwehr gegen Krankheitserreger.

    Krankheitsbilder, die eine Transplantation notwendig machen können:

    Bei grossflächigen Verletzungen wie Verbrennungen oder Verätzungen sind die Schutzmechanismen der Haut überfordert. Auch eine schlechte Durchblutung kann die Selbstheilung von Hautwunden verhindern. Dies führt zu chronischen Geschwüren (Ulzera) – ein Beispiel sind offene Beine bei Diabetes.

    In diesen Fällen kommen Hauttransplantate zum Einsatz. Bei kleineren Wunden wird körpereigene Haut von der Patientin oder vom Patienten transplantiert, bei grossen Wunden wird Spenderhaut übertragen. Da diese ohne medikamentöse Behandlung abgestossen wird, kommt sie nur als kurzzeitige Abdeckung für zwei bis drei Wochen zum Einsatz. Während dieser Zeit können der Patientin oder dem Patienten zusätzlich gesunde Hautzellen entnommen und in einer Nährlösung vermehrt werden. Diese gezüchteten eigenen Hautzellen werden anschliessend wieder auf der Wunde angebracht. Sie werden im Gegensatz zur Spenderhaut nicht abgestossen.
    Das Tissue-Engineering von Haut ist weltweit ein wichtiges Forschungsgebiet. Gezüchtete Haut wird für die Behandlung kleinerer Wunden bereits regelmässig eingesetzt.