Der Kardiologe braucht selbst ein Spendeherz
Dr. Christian Grember leitet am Herzzentrum des Luzerner Kantonsspitals die Devicetherapie. Er kennt sich aus mit Herzrhythmusstörungen, Defibrillatoren und Herzschrittmachern. Zusätzlich weiss er aus eigener Erfahrung, was es heisst, auf ein Spendeherz zu warten – und eines zu erhalten. Wir besuchten Familie Grebmer nur wenige Wochen nach Christians Transplantation.
Carmen und Christian Grebmer sind dankbar, dass sie «nur» ein paar Monate auf das Spendeherz warten mussten. Sie schätzen und geniessen die höhere Lebensqualität nach seiner Herztransplantation Anfang 2026. «Erst jetzt erkennen wir, wie krank und eingeschränkt ich vor der OP wirklich war», sagt der 38-jährige Mediziner rückblickend. Müll rausbringen, Kinderwagen schieben oder den Töchtern hinterher zu rennen, war für ihn vor der Transplantation kaum mehr möglich.
«Das Schwierigste war für mich, als um zwei Uhr nachts der Anruf kam, dass ein passendes Spendeherz da ist», sagt der gebürtige Österreicher Christian Grebmer. «Du fährst in den Nebel und musst alle Verantwortung abgeben, du kannst nicht mehr mitreden.» Dabei kennt sich der Kardiologe in Herzensangelegenheiten bestens aus, berät Patientinnen und Patienten mit Herzrhythmusstörungen, implantiert Herzschrittmacher, «aber ich bin kein Herzchirurg». Umso dankbarer und erleichtert ist er, dass er sich bereits ein paar Wochen nach der Transplantation wieder fit fühlt.
Mit 12 fast ein Jahr im Spital
Sein Berufswunsch formiert sich als 12-Jähriger, als ihn ein Tumor auf der Leber monatelang ins Spitalbett legt. «Könnt ihr noch ein zweites Kind bekommen?», fragt er seine Eltern, weil er Angst hat, zu sterben. Er will verstehen, was vor sich geht, und beschliesst deshalb, Arzt zu werden. Mit 21 Jahren wird seine Herzschwäche diagnostiziert. Vor zwei Jahren erlebt er einen «Electrical Storm» mit seinem Defi, ein lebensbedrohlicher Notfall. Doch letztlich machen nicht die Herzrhythmusstörungen eine Transplantation unumgänglich, sondern seine Herzschwäche. «Es ging mir schlechter und schlechter. Und dann hat man uns geraten: Jetzt wird es Zeit zu listen.»
Carmen und Christian Grebmer mit ihren Töchtern (4 und 2). Als Psychologin und Dozentin an der Hochschule Luzern wollte Carmen die Familie gestärkt durch die herausfordernde Zeit bringen. «Wir haben die Kinder bestmöglich vorbereitet und alles mit laminierten Checklisten geplant – so gut es eben ging …». Als das Spendeherz da ist, muss ihre Patentante über Umwege wachgeklingelt werden, um die Kinder mitten in der Nacht zu übernehmen.
Seit April 2026 arbeitet Christian Grebmer wieder am Luzerner Kantonsspital und will schrittweise auf sein Vollzeitpensum erhöhen. Er ist stolz auf seine Kardiologie-Kollegen, die ihn während seiner Abwesenheit vertreten haben und teils doppelte Arbeit leisten mussten. Ebenso lobt er die hervorragende medizinische Betreuung im Inselspital Bern rund um seine Herztransplantation. Und er ist sehr dankbar für die Herzspende: «Meine Spenderin oder mein Spender war unglaublich grosszügig und hat dieses Geschenk weitergegeben, aber die Familie steht jetzt ohne sie oder ihn da. Beides berührt mich immer wieder tief.»