Fragen und Antworten rund um die Organspende

  • Weshalb soll ich meine Organe spenden?

    Eine Organspenderin oder ein Organspender kann bis zu neun Menschenleben retten. In der Schweiz warten rund 1'434 Menschen auf ein neues Organ (Stand: Dezember 2021). Jährlich sterben etwa 100 Personen, weil ihnen kein passendes Organ zugeteilt werden konnte. Das sind ein bis zwei Personen pro Woche. Das alles sind Gründe, um nach dem eigenen Tod andere Leben zu retten. Falls keine Organspende-Karte vorliegt, diese nicht auffindbar ist und kein Eintrag im Organspenderegister besteht, müssen im Todesfall die Angehörigen im Sinn der verstorbenen Person über eine Organspende entscheiden. Die Angehörigen müssen daher über Ihren Wunsch informiert sein. Sie erleichtern Ihren Angehörigen so die Entscheidung in einem schwierigen Moment. Sie können Ihren Entscheid zur Organspende jederzeit ändern. Sie können Ihre Organspende-Karte vernichten und eine neue ausfüllen sowie ihre Willensänderung Ihren Angehörigen mitteilen.

  • Wer kann Organe spenden? Wer nicht?

    Prinzipiell können alle Personen Organe spenden, die im Spital auf einer Intensivstation nach Hirntod oder infolge eines Herz-Kreislauf-Stillstands versterben. Nur eine aktive Krebserkrankung, eine Prionenerkrankung (Creuzfeldt-Jakob-Krankheit), Tollwut oder eine nichtbehandelbare Sepsis (Blutvergiftung) sind absolute Kontraindikationen für eine Organspende. Menschen, die eine erfolgreiche Krebsbehandlung hatten, können nach fünf tumorfreien Jahren ihre Organe spenden. Bei anderen Erkrankungen werden die Organe einzeln auf ihren Gesundheitszustand und ihre Funktionsfähigkeit analysiert. Es kann möglich sein, dass nur gewisse Organe transplantiert werden kann.

    Menschen mit HIV oder Hepatitis können ihre Organe an Empfängerinnen und Empfänger spenden, die ebenfalls an HIV oder Hepatitis erkrankt sind oder die ihre Zustimmung gegeben haben, ein Organ von einer spendenden Person mit Hepatitis C zu erhalten.

  • Welche Organe und Gewebe können gespendet werden?

    Folgende Organe können gespendet werden: Herz, Lunge, Leber, Nieren, Bauchspeicheldrüse (Pankreas) und Dünndarm.
    Gewebe können folgende gespendet werden: Hornhaut, Gehörknöchelchen, Knochen, Herzklappen, Blutgefässe, Haut.
    Nebst Organen und Geweben kann man auch Langerhans'sche Inseln der Bauchspeicheldrüse, Blutstammzellen und Blut spenden. 

  • Wie teile ich mit, dass ich meine Organe spenden will?

    Um die Bereitschaft zur Organspende mitzuteilen, können Sie eine Patientenverfügung oder eine Organspende-Karte ausfüllen. Juristisch gesehen stellen diese Einträge eine Willenserklärung dar, die bis nach dem Tod Gültigkeit hat. Zusätzlich empfehlen wir, die Angehörigen über Ihren Spendewunsch zu informieren. Falls Sie bestimmte Organe nicht spenden möchten, können Sie dies ebenfalls vermerken. 

  • Kann ich meinen Entscheid zur Organspende ändern?

    Sie können Ihren Entscheid zur Organspende jederzeit ändern. Dazu ändern Sie einfach Ihren Eintrag im Nationalen Organspenderegister. Analog können Sie auch Ihre Organspende-Karte vernichten und eine neue ausfüllen sowie Ihre Willensänderung Ihren Angehörigen mitteilen.  

  • Wie viele Menschen kann eine spendende Person retten?

    Durch eine Organspenderin oder einen Organspender können bis zu neun Menschen transplantiert werden. Dies wenn beide Nieren transplantiert werden können und Lunge sowie Leber zur Transplantation gesplittet (geteilt) werden. Transplantationen ermöglichen oft nicht nur das Überleben, sondern verbessern die Lebensqualität eines Menschen massiv.

  • Gibt es für eine Organspende Geld?

    Nein, eine Organspende erfolgt unentgeltlich, der Handel mit Organen ist gesetzlich verboten und strafbar (Artikel 6 und 7 Transplantationsgesetz). Auch Beerdigungskosten werden nicht übernommen. Einzige Ausnahme ist der Ersatz des Erwerbsausfalls bei einer Lebendspende.

  • Bis zu welchem Alter ist eine Organspende möglich?

    Es gibt keine obere Altersgrenze für Organspenderinnen und Organspender. Der Gesundheitszustand der spendenden Person entscheidet darüber, ob eine Organspende möglich ist. Vor der Entnahme werden in jedem Fall die Funktionsfähigkeit und Eignung der Organe für eine Transplantation genaustens untersucht.

  • Kann auch eine Person, die zu Hause stirbt, Organe spenden?

    Wer zu Hause stirbt, kann nicht zur Organspenderin oder zum Organspender werden, da die medizinisch notwendigen Vorbereitungen für eine Spende nur auf der Intensivstation eines Spitals möglich sind. Eine Gewebespende ist aber nicht ausgeschlossen.

  • Kann ein Kind Organe spenden?

    Auch bei einem Kind ist eine Organspende möglich. Organe von Kindern werden primär auch Kindern zugeteilt. Lediglich bei Neugeborenen bis zu 28 Tagen wird aus ethischen und medizinischen Überlegungen auf die Frage einer Organspende verzichtet.

  • Müssen meine Angehörigen meinen Entscheid über Organspende kennen?

    Falls keine Organspende-Karte (physisch oder digital) vorliegt, diese nicht auffindbar ist und Sie keinen Eintrag im Nationalen Organspenderegister gemacht haben, müssen im Todesfall die Angehörigen im Sinn der verstorbenen Person über eine Organspende entscheiden. Die Angehörigen sollten daher über Ihren Wunsch informiert sein. Sie erleichtern Ihren Angehörigen so die Entscheidung in einem schwierigen Moment.

  • Wie lange dauert der gesamte Spendeprozess?

    Der gesamte Spendeprozess von der Hirntoddiagnose bis zum Abschluss der Organentnahme dauert in der Regel 12 bis 24 Stunden.

  • Lassen Ärztinnen und Ärzte mögliche Organspenderinnen und Organspender eher sterben?

    Ob sich eine Patientin oder ein Patient für oder gegen eine Organspende entschieden hat, ändert nichts an der Intensität der Behandlung. Leben retten hat für jede Ärztin und jeden Arzt oberste Priorität. Dazu sind sie aufgrund ihres hippokratischen Eids verpflichtet. Es wird alles unternommen, um die Patientin oder den Patienten zu retten, auch wenn diese möglicherweise Spenderin oder Spender werden könnte.  

    Das Thema Organspende wird erst nach der beschlossenen Therapiezieländerung (von der Lebensrettung hin zur Palliativbehandlung) angesprochen. Ob jemand seine Organe spenden möchte oder nicht, ist also den behandelnden Ärztinnen und Ärzten unter Umständen vorher noch gar nicht bekannt. 

    Bei potenziellen herztoten Spendenden muss das Thema Organspende schon vor dem Todeszeitpunkt angesprochen werden. Das geschieht jedoch erst, wenn die Prognose aussichtslos (Fachbegriff «infaust») ist.

  • Kann ich bestimmen, wer meine Organe erhält?

    Die Organspende ist grundsätzlich anonym. Man kann jedoch verfügen, im Todesfall ein bestimmtes Organ einer bestimmten Person spenden zu wollen. Aufgrund des Nichtdiskriminierungsartikels (Artikel 17 Transplantationsgesetz) darf jedoch keine Patientengruppe (z. B. Geschlecht, Alter) bestimmt oder ausgeschlossen werden.

  • Ist meine Organspende-Karte und Eintrag im Nationalen Organspenderegister auch im Ausland gültig?

    Im Ausland gelten andere gesetzliche Regelungen, wobei unterschiedliche Modelle zur Einwilligung in die Organspende vorherrschen. Weit verbreitet sind die Widerspruchslösung und die (erweiterte) Zustimmungslösung. Verstirbt eine Person im Ausland, so greift die Regelung des jeweiligen Lands, nicht die des Heimatlands. Die Angehörigen werden angefragt und involviert. Wir empfehlen Ihnen, sich insbesondere bei längeren Auslandaufenthalten über die dortigen Gegebenheiten zu informieren. 

  • Bleiben die gespendeten Organe in der Schweiz?

    Swisstransplant arbeitet mit verschiedenen europäischen Transplantationsorganisationen eng zusammen, die ähnliche ethische und gesetzliche Grundlagen haben. Wenn es in der Schweiz keine passende Empfängerin oder keinen passenden Empfänger für ein Organ gibt, wird das Organ den ausländischen Partnerorganisationen angeboten. Umgekehrt erhalten wir ebenso Angebote aus dem Ausland. Organe werden auch im europaweiten Austausch nicht verkauft, ein Angebot ist immer kostenlos.

  • Sind ältere Versionen der Organspende-Karte noch gültig?

    Obwohl die bisherige Organspende-Karte ihre Gültigkeit behält, empfehlen wir Personen, die in der Vergangenheit bereits eine Organspende-Karte ausgefüllt haben, diese durch die neue Organspende-Karte zu ersetzen.

  • Braucht es eine ärztliche Untersuchung, wenn man Organspenderin oder Organspender werden will?

    Medizinische Abklärungen zu Lebzeiten sind nicht nötig, um die Bereitschaft zur Organspende zu signalisieren. Entscheidend sind der Gesundheitszustand und die Funktionsfähigkeit der einzelnen Organe der verstorbenen Person. Vor der Entnahme werden in jedem Fall die Funktionsfähigkeit und Eignung der Organe für eine Transplantation genauestens untersucht. Falls es gewünscht wird, kann eine bestimmte Krankheit auf der Organspende-Karte oder im Nationalen Organspenderegister vermerkt werden. 

  • Was heisst Lebendspende?

    Gewisse Organspenden sind auch von lebenden Personen möglich. Die am häufigsten durchgeführte Transplantation eines Organs von einer Lebendspenderin oder einem Lebendspender ist die Nierentransplantation. Seltener wird ein Teil der Leber transplantiert. Lebendspenden sind in der Regel «gerichtet», d. h. Spenderin oder Spender geben ihr Organ einer bestimmten Person, die sie kennen. Hierbei ist es nicht zwingend, dass die spendende und empfangende Person verwandt sind.

    Möglich ist auch eine sogenannte altruistische (selbstlose) Spende. Dabei spendet jemand anonym und ohne finanziellen Gewinn eine Niere.

    Detaillierte Informationen zum Thema Lebendspende finden Sie hier.